Gunung Bromo

Damri Bus vom Flughafen zum Busterminal

Ich möchte hier eine kleine Anleitung geben, wie man individuell zum Mount Bromo kommt und wie man dort ohne den idiotischen Massen-Almauftrieb im Jeep diese großartige Landschaft genießen kann. Eigentlich ist das nicht besonders schwierig, aber es gibt durchaus ein paar kleine "Fallen".


Die gängige Möglichkeit von Bali nach Java zu kommen ist eine ca. 10-stündige Busfahrt, über die ich viel gelesen habe, aber wenig Gutes. Also hab ich mich für den Flieger nach Surabaya entschieden. Die Flugzeiten waren einfach zu verlockend, Abflug 10:50 Uhr, Ankunft 10:50 Uhr. Liest sich wie Teleportation, begründet sich aber durch die Zeitverschiebung. Am Flughafen Surabaya steht ein komfortabler Bus, der zum Fixpreis von 20.000 IDR zum Purabaya Busterminal fährt. Die Fahrzeit beträgt ca. 15 Minuten.

Am Purabaya Busterminal ist alles klar beschildert.

Das Purabaya (manchmal auch Bungurasih genannt) Busterminal gilt als größter Busbahnhof Südostasiens, ist aber eigentlich recht übersichtlich und ich finde den Bus nach Probolinggo recht schnell (Executif kostet ca. 30.000 IDR, Fahrtdauer etwa 2 1/2 Stunden). Niemals, wirklich niemals sollte man auf Java auf Langstrecken einen Economi-Bus nehmen, aber dazu später noch mehr.

Der Bus fährt zum Busterminal von Probolinggo, weil der Fahrer jedoch weiß, dass ich zum Bromo will, will er mich allerdings kurz vorher bei einem Reisebüro aussteigen lassen. So läuft das auf Java, man schiebt sich die Touristen gegenseitig zu und kassiert Provisionen. Das finde ich nicht so schlimm, aber im Reisebüro hätte man mir das Komplettarangement mit Jeepfahrt und Quartier verkauft. Also fahre ich bis zum Busterminal, das braucht man nur zu verlassen und die Jalan Bromo 30 Meter Richtung Süden gehen. Dort stehen die Kleinbusse (genannt Bison), die nach Cemoro Lawang fahren.

Die Bison Busse vor dem Busterminal in Probolinggo

Die Busse fahren erst ab, wenn sie voll sind und der Fahrer entscheidet, dass das erst bei 14 Personen der Fall ist. Erstaunlich, ich hätte nicht gedacht, dass da mehr als 8 reinpassen. Ich bin als erster dort, nehme in einem Warung Platz und warte. Nach und nach trudeln sie ein, die Backpacker. Zuerst ein Engländer, der in Jakarta arbeitet und sich einen Kurzurlaub gönnt, später weitere Touristen, lustiger Weise alles Deutsche und Österreicher.

Irgendwann verlieren die ersten die Nerven und schlagen vor, die leeren Plätze gemeinsam zu bezahlen, damit es losgehen kann. Wortführerin ist eine deutsche Backpackerin, ich nenn sie jetzt mal Susi, die sich mit ihrem Freund auf einer 1-jährigen Weltreise befindet und zuvor schon in Indien und Bangladesh unterwegs war. Mir ist alles Recht, ich hab mein Hotelzimmer ja schon gebucht und muss mich in Cemoro Lawang nicht auf Herbergssuche begeben.

Der Bus setzt sich in Bewegung, Susi fragt den Busfahrer, ob es in Cemoro Lawang Geldautomaten gibt. Der kann leider ein wenig Englisch und verneint. Susi dreht sich zu uns um (sie sitzt neben dem Fahrer) und erklärt uns ganz oberschlau auf englisch: "Hi guys! There are no ATM's in the village. So if anyone needs some cash, this is the right moment!" Susi erntet gelangweilte Blicke, denn jeder hat genügend Bargeld dabei. Nur Susi selbst nicht. Also müssen wir zuerst einen ATM suchen, dann kann es endlich losgehen. Nach knapp zwei Stunden sind wir in Cemoro Lawang.

Der Bison fährt bis zur letzten großen Kreuzung, wo es links zum Cafe Lava Hostel und Bromo Permai Hotel und rechts zum Hotel Bromo Indah geht. Alle schwärmen aus, einige kommen bald enttäuscht wieder retour. Das Cafe Lava Hostel ist voll, das Guesthouse, das der Bison-Fahrer (gegen Provision) vermitteln möchte, muffelt. Guten Morgen, liebe Leute! Es ist Wochenende. Mir bietet der Bison-Fahrer an, mich bis zu meinem Hotel zu fahren, für 150.000 IDR. Ich lache ihn aus und frage ihn besorgt: "Are you crazy?". Das ist das 5-fache dessen, was ich für die 2-stündige Fahrt von Probolinggo bezahlt habe! Und außerdem schadet mir der 5-minütige Spaziergang in der kühlen Abendluft zum Hotel bestimmt nicht.

Sonnenaufgang am Gunung Bromo

Ich stell mein Gepäck ins Zimmer und geh ins Cafe Lava. Es gibt zwar hier wahrscheinlich noch ein paar andere Möglichkeiten etwas zu essen, aber das Cafe Lava sieht nett aus, es erinnert irgendwie an ein Chalet in den Alpen und scheint so etwas wie die Drehscheibe für alles zu sein. Außerdem bin ich neugierig, wer sich da alles so rumtreibt. Susi ist auch schon da und fragt, ob ich schon meine Jeeptour gebucht habe. "Das klingt vielleicht etwas arrogant, aber ich bin Ösi. Ich brauch keinen Jeep, um auf einen Berg zu gelangen."

Morgens um 4 läutet der Wecker, 10 Minuten später laufe ich mit Stirnlampe, Jacke und Wollmütze die Straße hinunter und durch die Sandwüste zum Mount Bromo. Ganz alleine durch die Nacht. Manchmal halte ich an und mache die Stirnlampe aus. Der Anblick ist überwältigend.  Die Caldera als Arena mit 10 km Durchmesser, Millionen Sterne als Zuseher, die warten dass das Licht angeht und das Schauspiel beginnt. Dann ist es soweit: Sonnenaufgang am Gunung Bromo. Zum Niederknien schön! Mit mir sind vielleicht acht oder zehn Leute am Gipfel. Jeder still, flüsternd, ehrfürchtig, respektvoll, wissend in dieser Inszenierung der großen Regisseuse "Mother Nature" nicht einmal Komparse zu sein. Die anderen fünfhundert Menschen stehen jetzt dicht gedrängt auf der Tribüne am Penanjakan  "Sunrise Viewpoint".

Sunset am Sunrise Viewpoint

Danach sitze ich noch gut zwei Stunden in einem Imbisstand bei Cupnoodles und Instantkaffee. Das ist ein fantastischer Morgen. Einer der seltenen Momente, wo man mit sich und der Welt völlig im Reinen ist und sich so herrlich unbedeutend und klein fühlt und diesen Zustand bedingungslos akzeptiert und hofft, er möge ewig anhalten. Dann kommen die knapp 100 Jeeps und spucken in Viererportionen Individual(!)touristen aus, die zum Gipfel wackeln. Selbstzufrieden ziehe ich ab.

Und weil ich mit meiner azyklischen Bromotour bisher so zufrieden bin, wandere ich am Nachmittag zum Gunung Penanjakan und mache aus dem "Sunrise Viewpoint" einen "Sunset Viewpoint". Ich bin dort absolut alleine.

Hier eine Karte von Cemoro Lawang, die ich nach der Rückkehr angefertigt habe. Als Basis dient Google Maps. Die eingezeichneten Viewpoints bieten alle (!) eine sehr schöne Aussicht auf den Gunung Bromo. Bis zum ersten Viewpoint kann man auch mit dem Moped oder Fahrrad fahren, dann erst wird's steil.

Im Economi Bus von Surabaya nach Solo (Nicht nachmachen, Kinder)

Am nächsten Morgen bin ich um 8 Uhr an der Straßenkreuzung um einen Platz in einem Bison zu bekommen. Ein Fahrer möchte mich gleich "verhaften", also mein Gepäck am Dach verstauen, aber da ich der erste potentielle Fahrgast bin, kann ich schwer abschätzen, wann der Bus voll sein wird. Ich habe sicherheitshalber auch noch einen Platz in einem Shuttlebus meines Hotels reserviert. Als der Bison auch um 9 Uhr nicht einmal zur Hälfte belegt ist, gehe ich wieder zum Hotel hoch und ziehe Plan B.

Bisher ist alles perfekt gelaufen, aber wenn Selbstzufriedenheit und lässige Überheblichkeit um sich greifen, ist ein Dämpfer nicht weit. In Probolinggo wackeln alle in ein Reisebüro, um die Weiterfahrt zu organisieren. Mount Ijen, Yogyakarta, Bali, wohin auch immer. Ich bestehe darauf, bis zum Busbahnhof gebracht zu werden, wo schon die Schlepper um mich ringen. Man verkauft mir um wohlfeile 180.000 IDR ein Executif-Busticket nach Solo. Ich setze mich in den Bus, aber der fährt leider nicht nach Solo sondern nur bis zum Purabaya-Terminal in Surabaya. Kein Problem, nur ein Buswechsel. Der Fahrer bringt mich zu einem anderen Bus. Auf dem steht Economi, aber er hat eine Klimaanlage, also was soll's!

Nach etwa einer Stunde Fahrzeit wäre ich am liebsten nach Probolinggo zurück gefahren, um den Typen zu erwürgen, der mir das Busticket verkauft hat. Economi-Busse sind eng und voll, aber das Haupt-NoGo ist, dass sie ungefähr alle 3 Minuten halten und auch für kleinste Dörfer die Hauptstraße verlassen. Außer dem Busfahrer und dem Schaffner war ich der einzige Vollidiot, der die gesamte Fahrzeit von 7 (!!!) Stunden von Surabaya nach Solo im Bus saß. Javaner nutzen dieses Verkehrsmittel nur für Kurzstrecken.

Irgendwann nach ein paar Stunden beschließe ich, zu versuchen, die Fahrt zu genießen. Ab und zu steigen Proviantverkäufer oder Musikanten ein, die meine Laune heben. Und als ich mich die letzten 3 Kilometer von einem alten Mann in einer Fahrradrikscha zum Hotel fahren lasse, weil kein Taxi verfügbar ist, kann ich sogar wieder lachen.

Letztlich bin ich also doch in Probolinggo (dem Busbahnhof mit dem verdient schlechtesten Ruf) in eine "tourist trap" getappt. Dabei ging es natürlich nicht um's Geld, 180.000 IDR sind grade mal 14 Euro. Aber die Fahrt war extrem unbequem, ich bin stundenlang nur auf einer Arschbacke gesessen und konnte weder rauchen noch aufs Klo gehen. Trotzdem denke ich, ist Mount Bromo ganz leicht auch individuell zu erreichen und in jedem Fall eine Reise Wert.

Candi Prambanan

Wo ist das richtige Puzzleteil?

Prambanan ist die größte hinduistische Tempelanlage Indonesiens und befindet sich auf halbem Weg zwischen Solo und Yogyakarta. Da ich vorerst genug von Busfahrten habe, möchte ich an der Hotelrezeption für 6 Stunden ein Auto mit Fahrer mieten.

Die Rezeptionistin greift zum Hörer. Nach einem kurzen Gespräch meint sie: "Sorry, fully booked!"
Ich: "No free car in Solo?"
"No!"
"Every hire company is fully booked?"
"Yes!"
"I can't believe this. You only called ONE company!"
"We only have contract with one company!"
"No problem, please call other company!"

Das ging ein paar Mal hin und her und nachdem ich nach dem Hotelmanager frage, klappt's auch mit der Motivation der Mitarbeiterin und ein Auto wird für mich reserviert. Ich rede hier nicht von einem kleinen Guesthouse sondern vom 4 * Novotel, einem der besten Hotels der Stadt. Da kann ich schon auf ein wenig Service bestehen. Sonst war ich mit dem Novotel sehr zufrieden. Besonders der Pool ist klasse, den teilt sich das Hotel übrigens mit dem benachbarten Ibis, das etwas billiger ist.

Candi Prambanan

Gut zwei Stunden wandere ich durch die Palastanlagen. Vor einigen Jahren sind diese durch ein Erdbeben schwer beschädigt worden. Prambanan präsentiert sich als riesiges 3D-Puzzle.

Danach bringt mich mein Fahrer noch in mein Hotel nach Borobudur. In der Rumah Boedi Private Residence habe ich zwar nur ein winziges Zimmerchen, genieße jedoch die herrliche Gartenanlage und den Afternoon Tea in der offenen Lobby.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden, hier in dieser schönen, ländlichen Umgebung 3 Nächte zu verbringen und nicht im trubeligen Yogyakarta. Und mit dem öffentlichen Bus ist man in nicht einmal einer Stunde in der Stadt. Ein Mal mache ich einen Tagesausflug nach Yogya, was mich nur darin bestärkt, die richtige Wahl getroffen zu haben. 

Borobudur

Morgens um vier Uhr läutet der Wecker. Eine Motorradrikscha bringt mich zum Besucherzentrum von Borobudur, wo ich einen Sarong und eine Taschenlampe erhalte. Dann gehe ich mit etwa 20 anderen Frühaufstehern in völliger Dunkelheit die Treppe einer der weltweit bedeutendsten buddhistischen Anlagen hoch.

Erst in der Morgendämmerung erkenne ich die Ausmaße von Borobudur. Insgesamt neun Stockwerke türmen sich auf der quadratischen Basis von 123 m Länge. An den Wänden der vier sich stufenartig verjüngenden Galerien befinden sich Flachreliefs in der Gesamtlänge von über fünf Kilometern, welche das Leben und Wirken Buddhas beschreiben. Darüber liegen drei sich konzentrisch verjüngende Terrassen mit insgesamt 72 Stupas, welche die Hauptstupa von fast 11 m Durchmesser umrahmen.

Allmählich wird es heller und schließlich gewinnt die Sonne das gegen den Morgennebel. Ein prächtiges Naturschauspiel in fast unwirklichen Farben. Ich sollte öfter mal früh aufstehen. 

 

Vesakh Fest in Borobudur

Heute ist Vesakh, der bedeutendste Feiertag im buddhistischen Kalender. Das Vesakhfest erinnert an die Geburt, die Erleuchtung und das vollkommene Verlöschen des Buddha Siddhartha Gautama und damit seinen Austritt aus dem Kreislauf der Wiedergeburt.

Am Nachmittag hole ich mir eine Akkreditierung als Fotograf. Ich stehe eine gute Stunde in der Warteschlange. Den hochoffiziellen Ausweis brauch ich allerdings danach nie wieder. In Borobudur Village ist Jahrmarktstimmung. Bunte Luftballons, Ringelspiele, Marschmusik und unzählige Verkaufsstände prägen das Bild. Die religiöse Bedeutung gerät dabei etwas ins Hintertreffen, was die buddhistischen Mönche und Nonnen, die aus verschiedensten asiatischen Ländern anreisen, mit Gleichmut zur Kenntnis nehmen.

Die eigentlichen Vesakh-Feierlichkeiten in der Tempelanlage sind in erster Linie eine Art religiöser Kongress, der allerdings auch vom Fernsehen übertragen wird und vom offiziellen Indonesien dafür genutzt wird, an die Einheit des Landes und die Toleranz der Religionen zu erinnern. So weit verstehe ich auch ohne Sprachkenntnisse die Reden des Gouverneurs der Region und des indonesischen Staatspräsidenten Susilo Bambang Yudhoyono.

Zum Abschluss der Veranstaltung werden gegen 2 Uhr früh 1000 Lampions in den Nachthimmel geschickt. Zu diesem Zeitpunkt bin ich schon längst im Bett. Es hat nämlich fast die ganze Zeit geregnet, und irgendwann hab ich die Lust an der Veranstaltung verloren.

  

 

Pangandaran

Mit der Eisenbahn geht es von Yogyakarta nach Banjar. Der komfortable Zug Argo Wilis ist der Stolz des Landes. Zurecht! Die Waggons sind vollklimatisiert, die Sitze sind bequem und die Beinfreiheit sehr komfortabel. Freundliche Zugbegleiter nehmen Essensbestellungen entgegen und der Ausblick auf die schöne Javanische Landschaft lässt die Fahrzeit im Nu vorübergehen.

Um so länger dauert die Fahrt im Economi-Bus von Banjar nach Pangandaran. Fast drei Stunden benötigt der altersschwache Bus für die Fahrt an die Küste. Pangandaran ist ein Fischerdorf, es gibt einen langgezogenen Strand und einen Nationalpark. Für mich der ideale Ort, um mich am Ende der Reise ein paar Tage zu erholen. 

Das Hotel 'The Arnawa' erschien mir dafür der richtige Ort. Es liegt nicht weit vom Strand entfernt, hat einen schönen Pool und etwas Komfort. Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus: Der Pool ist zwar schön, wegen der Vesakh-Feiertage sind allerdings viele Familien mit Kleinkindern im Hotel, es herrscht Kinderfreibad-Stimmung. Und auch sonst kann mich das Hotel nicht begeistern. Ich möchte meine Reise mit einem echten Highlight abschließen.

Also beschließe ich eine Planänderung, und buche den Abflugort meines Rückflugs um. Statt von Jakarta werde ich von Singapore abfliegen. Ein schönes Hotel in Singapore ist auch schnell gefunden. Und statt zwei Tage auf dem Landweg nach Jakarta zu reisen, buche ich auch noch einen Flug vom Nusawiru Airport nach Jakarta und einen Flug von Jakarta nach Singapore.

Die restliche Zeit in Pangandaran verbringe ich mit Strandwanderung, Besuch des Nationalparks mit den aggressivsten Affen, die mir jemals untergekommen sind, mit Entspannung am Pool und abends lasse ich mich zu den Restaurants am Fischmarkt fahren.

Eine 9-sitzige Cessna 208 bringt mich dann nach Jakarta wo meine Java-Reise endet.

 

Mehr Bilder gibt's wie immer bei flickr: http://www.reiseweg.at/91145209