Myanmar - Rundreise

Einleitung


Im August 2011 waren wir im Anschluss an unsere 5-tägige Nordindien-Rundreise wir für zwei Wochen in Myanmar. Und zwar auf der "klassischen" Einsteigerroute Yangon - Inle See - Bagan - Mandalay - Yangon. Dabei entstand der folgende Reisebericht. Die dazugehörigen Bilder findet ihr in unserem Fotoalbum bei flickr

Ankunft in Yangon


"Mingalaba!". Noch im Flughafengebäude in Yangon spricht uns ein Taxifahrer an, freundlich, fast zurückhaltend. Klar brauchen wir ein Taxi, aber normaler Weise such ich mir den Fahrer selber aus. Wir geben ihm zu verstehen, dass wir zuerst in Ruhe rauchen wollen. "No problem!", wartet er geduldig neben uns. Na gut, wir werden handelseins über eine Taxifahrt zum Parkroyal Hotel, 8 USD kostet der Spaß. Der Mann führt uns zu einem Minibus und nimmt am Beifahrersitz Platz. Ach so, das ist gar nicht der Taxifahrer, wohl nur einer der zufällig den selben Weg hat wie wir. Auch gut. Ein lockeres Gespräch beginnt, irgendwann kommt die Sprache auf unsere Pläne in Yangon und ob wir denn schon einen Guide hätten. "We have not, you know guide?". "I am guide!" Ach so läuft das hier, und wie wir feststellen werden, wiederholt sich diese "Masche" in allen unseren Destinationen. Für den Wagen werden 50 USD aufgerufen, für den Guide 20 USD. Saw Saw (So So) erklärt überzeugend, dass das ein guter und angemessener Preis sei und für umgerechnet 25 Euro pro Langnase kann man auch nicht meckern. Wir einigen uns auf den Tourstart um 9 Uhr früh.

Yangon macht auf mich einen erstaunlich gepflegten und netten Eindruck, zumindest auf der Fahrt vom Flughafen kommen wir an schönen Parkanlagen und Tempeln vorbei, der Verkehr ist auch recht übersichtlich. Meine Eindrücke liegen aber sicher an den fünf Tagen in Indien, im direkten Vergleich kommt einem Yangon wie die Schweiz vor.


Kaum sind wir im Hotel Parkroyal mit seinem, etwas angestaubten, aber feinen, gediegenen Ambiente angekommen, machen wir uns auch gleich wieder auf den Weg. Wir wollen Euros in Kyat (Tschatt) tauschen, das Central Hotel ist dafür angeblich eine gute Anlaufstelle. Für 200 Euro gibt's 206.000 Kyat, zwei Pakete mit je 100 Scheinen á 1.000 Kyat. Nachzählen? Kontrolle ist gut, Vertrauen ist weniger mühsam. Faszinierend ist, mit welcher Offenheit man hier den verbotenen Schwarzhandel mit Westwährung absolviert.

Danach machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem und finden ein Biryani-Lokal. Hier gibt es südindisches, muslimisches Essen. Leckere Curries mit Fleisch und Gemüse, indisches Fladenbrot, Reis, scharfe Saucen. Speisekarte gibt es keine, ich bestelle per Fingerzeig.  Es kommen zwei dieser typischen Blechtabletts mit mehreren Ausnehmungen. Sieht alles viel zu viel aus für mich, und von Clouchen ist keine Unterstützung zu erwarten. Die macht magenbedingte Esspause, was mir auch gut täte, denn wir leiden beide seit Indien an Durchfällen, Clouchen hat außerdem erhöhte Temperatur. Kaum ist eine der Ausnehmungen leer, kommt schon einer und füllt nach. Das ist hier anscheinend "all you can eat", und ich werde regelrecht überredet, nachzubestellen. Am Ende zahle ich für Essen, 2 Fanta, eine große Flasche Wasser und einem Masala Chai (süßer indischer Milchtee) 4.400 Kyat, also etwas über vier Euro.


Weil es stark zu regnen begonnen hat, fahren wir mit dem Taxi zurück zum Hotel. Wir kriegen erstaunlicher Weise auf Anhieb ein Taxi. Beim Aussteigen frage ich Blödmann den Fahrer "4.000 Kyat?". Er: "No, 1.500!". Tagesfazit: Wir haben auf Anhieb einen netten Guide gefunden, es gibt hier leckeres billiges Essen und Taxifahrer, die nicht bescheissen. Ich glaube, hier gefällt's mir doch. Der morgige Tag kann kommen.

Geführte Tagestour in Yangon


Das Parkroyal bietet ein riesiges Frühstücksbuffet. Die Auswahl geht von der japanischen Misosuppe, über indisches Dal, Gemüsecurry, Samosas, bis zu Dim Sum einmal quer durch Asien. Auch für den Europäischen Geschmack ist einiges dabei: Omlett, Waffeln und Pancakes, verschiedene Brotsorten, Breadpudding, Speck, Baked Beans und Porridge, diesen seltsamen Haferschleim, der überall dort zu finden ist, wo die Briten ihre imperialistischen Spuren hinterlassen haben.

Trotzdem nehme ich heute nur ein bescheidenes Mahl zu mir um meinen Magen etwas zu schonen. Eigentlich sollte ich außer Tee und Toastbrot gar nichts essen um mal wieder klar zu kommen. Clouchen hatte heute nacht überhaupt Dengue, Malaria, Ruhr und Colera gleichzeitig, oder wohl doch eher eine Magenverstimmung, leichtes Fieber und einen akuten Anfall von Hypochondrie. Auf jeden Fall haben wir vor dem Einschlafen das Kapitel "Gesundheitliche Risiken" im Loose ausführlich gelesen und uns auch gleich ein Krankenhaus ausgesucht, falls es morgens nicht besser ist. Jetzt sitzt Clouchen neben mir am Frühstückstisch, fühlt sich etwas schlapp, ist aber fieberfrei.

Punkt 9 Uhr holt uns Zsa Zsa, unser Guide ab. Wir fahren in einem alten Toyota-Taxi zur Botataung-Pagode. Im Zentrum der Pagode wird ein Haar Buddhas aufbewahrt. Gläubige versuchen durch einen schmalen Spalt in einer Glasscheibe Geldscheine in eine Schale zu werfen, vieles landet jedoch in einem Schacht, der schon gut gefüllt ist.


Dann fahren wir zur Chauk Htat Gyi - Pagode, wo ein 72 Meter langer liegender Buddha zu bestaunen ist. Die liegende Position zeigt in der Regel Buddha beim Eintritt ins Nirvana. Die Fußsohlen zeigen wie beim berühmten liegenden Buddha in Bangkoks Wat Pho die "108 Merkmale eines großen Menschen", eine Erklärung dazu findet sich auf einer Schautafel. Der hier dargestellte Buddha hier hat mit seinen blutroten Lippen, blauen Augen und rosa lackierten Finger- und Zehennägeln etwas metrosexuelles, für mich sieht er mehr nach Boy George aus als nach Erleuchtung.


Danach fahren wir zum großen Marmorbuddha in die Kyauk Taw Gyi - Pagode. Die 10 Meter hohe Statue befindet sich hinter Glas und ist so vor Verschmutzungen und dem Bekleben mit Goldplättchen geschützt. Wie Buddhastatuen aussehen, wenn sie unentwegt mit Blattgold beklebt werden, sehen wir an anderer Stelle. Schön ist hier auch das Gemälde, das den Transport des Marmorblocks unter den Augen der Staatsführung zeigt. Fröhliche und fleißige Menschen, die Militärs mit fromm gefalteten Händen. Propagandakunst vom feinsten.


In Gehweite des Marmorbuddhas findet sich auch das Camp der weißen Elefanten. In vielen buddhistischen Ländern werden diese Tiere besonders verehrt, gelten sogar als heilig. In Thailand gehört ein weisser Elefant, der geboren wird, automatisch dem König. Also brauchen auch die burmesischen Machthaber dieses Status- und Machtsymbol. Die drei Tiere sind angekettet und werden auf blankem Beton gehalten. Fotografieren ist verboten.


Höhepunkt jeder Tour durch Yangon ist natürlich der Besuch der Shwedagon - Pagode, die zu den herausragendsten buddhistischen Tempelanlagen weltweit zählt. Schon die vier überdachten Treppenaufgänge sind beeindruckend. Oben erwartet einen die 100 Meter hohe goldglänzde Hauptstupa, umgeben von unzähligen Schreinen, Pagoden und Hallen sowie eine Vielzahl von Statuen Buddhas, besonders verehrter Mönche und den Naturgeistern. Shwedagon ist auch ein Ort der Zusammenkunft. Hier trifft man sich, Familien halten Picknick, Kinder spielen, in manchen Ecken hält einer ein Nickerchen. Am hochheiligen Ort findet auch der Alltag statt, man vergleiche das mal mit einer katholischen Kirche, wo erfürchtiges Schweigen regiert. Der Buddhismus ist eine Religion der Freude und des Lebens, kein Instrument zur Einschüchterung und Unterdrückung.


Unseren Lunch nehmen wir auf typisch burmesische Art ein. Im Restaurant Feel gibt es eine große Auswahl burmesischer Curries, Salate, dazu Suppe und Reis. Ausgewählt wird nach optischer Begutachtung per Fingerzeig. Beraten werden wir von unserem Fahrer und dem Guide. Inklusive Getränken bezahlen wir 15.000 Kyat für vier Personen. Zum Abschluss der Tour geht’s noch zum Bogyoke Aung San Market. Hier gibt’s vor allem alles, was das Touristenherz begehrt: Lackwaren, Jade, Edelsteine, Souvenirs aller Art.


Weil's so schön war, fahren wir abends nochmal zur Shwedagon Pagode. Die Stimmung ist jetzt noch feierlicher als tagsüber.


"Where are you from" bedeutet in Indien: "Hey, Du schaust nach Geld aus, ich will was davon haben." In Myanmar bedeutet das in der Regel lediglich, dass das Gegenüber wissen will, woher man kommt. Alles sehr entspannt hier, vor allem natürlich im direkten Vergleich zu Indien. Das nächste Mal nehme ich einen Stoß Ansichtskarten von Wien mit. Ich hätte schon gut ein Dutzend an den Mann gebracht.

Nach den anstrengenden Besichtigungen in Indien, Ayutthaya und Yangon freuen wir uns auf ein paar Tage Entspannung am Inle See. Wir sind rechtzeitig am Domestic Airport von Yangon, wo man uns mitteilt, dass unser Flug gestrichen ist. Neue Flugzeit 16 Uhr. Sieben Stunden Aufenthalt. Wir wechseln in den internationalen Bereich, wo es wenigstens ein nettes Cafe und eine anständige Klimatisierung gibt. Hätten wir heute früh unseren Flug bestätigen lassen, würden wir jetzt bequem am Hotelpool liegen. So können wir nur das Treiben am Flughafen beobachten. Wenn eine Maschine landet, und die 100 od. 150 Fluggäste aus der Halle strömen, entsteht kurze Hektik, jeder will seinen Anteil vom Fahrgastkuchen abbekommen. Aber selbst dann geht's hier verhältnismäßig gesittet ab. Dann kehrt wieder Ruhe ein.

Bei einer Rauchpause vor dem Terminal komme ich mit einem Taxifahrer ins Gespräch. Für einen 3-monatigen Deutschkurs hat er gerade 300 US-Dollar bezahlt, der Langenscheidt Deutsch-Englisch kostet 20 USD, gebraucht natürlich. Er erzählt mir, dass er deutsche und österreichische Gäste mag, die sind gut vorbereitet, wissen dass Myanmar ein armes Land ist, und dass die Straßen schlecht sind. Sie beklagen sich nicht über alles. Engländer kommen bei ihm schlechter weg, manche von ihnen benehmen sich immer noch wie die Kolonialherren und neigen dazu, die Burmesen rumzukommandieren.

Ganz so alt wie der Morris Oxford auf dem Bild war das Auto, mit dem wir gestern getourt sind, nicht. Es war ein 1990er Toyota Camry. Der Fahrer meinte, gebraucht kostet das Ding 15.000 US-Dollar. Neuwagen seien unerschwinglich, und hinter vorgehaltener Hand fügt er hinzu, dass neue Autos sowieso nur die Leute von der Regierung bekommen.

Hier am Flughafen wird ständig geputzt, was ja eine durchaus lohnende Tätigkeit sein kann. Man findet etwas schmutzig vor und nach ein wenig persönlichem Einsatz glänzt wieder alles. Aber hier ist sowieso alles sauber, hier zu putzen muss eine überaus frustrierende Tätigkeit sein.

Inle Lake


Endlich geht's weiter. Am Flughafen Heho wird uns eine Taxifahrt um 30.000 Kyat offeriert. Unser Guide in Yangon hat uns schon vor den Machenschaften der Taxifahrer hier gewarnt und gemeint 15.000 wären der übliche Preis. Aber die Taxifahrer hier haben sich gut abgesprochen, handeln ist aussichtslos. Immerhin verspricht man uns eine Fahrt bis zum Hotel, nicht bloß bis zur Jetty in Nyaungshwe. Nach 40 Minuten Fahrt setzt uns der Fahrer direkt bei dem kleinen Reisebüro, das die Bootsfahrten zu den Resorts vermittelt, ab. Angeblich wäre die Straße zum Resort in einem zu schlechten Zustand. Ich drücke ihm 20.000 Kyat in die Hand, was natürlich eine endlose Diskussion auslöst. Der Herr vom Reisebüro vermittelt. Er meint: "You have a deal with the driver!" Ich erkläre, dass der Fahrer seinen Teil des Deals nicht eingehalten hat. Wir einigen uns in der Mitte, d.h. ich leg noch mals 5.000 Kyat drauf. Trotzdem kuckt der Fahrer, als hätt ich ihm den letzten Löffel Reis weggegessen. Für die Bootsfahrt von ca. 10 Minuten zahlen wir 7.000 Kyat, zusätzlich buchen wir gleich eine Tagestour am See für 20.000 Kyat. Bevor man den See überhaupt gesehen hat, ist man hier um 50.000 Kyat ärmer.

Im Resort geht's munter weiter. Ein bescheidenes Abendessen (2 Portionen Shan-Nudeln, 2 Flaschen Bier und ein Dessert) kostet 30.000 Kyat, eine Dose Cola aus der Minibar 2.300 Kyat, eine Minute Telefonat nach Europa 7 US-Dollar, die Laundery 2 - 3 US-Dollar pro Stück. Hier wird die exponierte Lage schamlos ausgenutzt, an Alternativen fehlt es komplett.

(Bild: Ankunft am Inle Resort)


Auf der Hauptstraße gibt's einen Miniladen, der Getränke und Cup-Noodles verkauft. Nach Nyaungshwe sind es zwei Stunden Fußmarsch, Motorradtaxis oder ähnliches Fehlanzeige. Und mit dem Boot nach Nyaungshwe zum Essen zu fahren ist auch keine Alternative, alleine der Round-Trip kostet umgerechnet 15 Euro, und da hat man noch keinen Bissen gegessen.

Jetzt aber genug gejammert. Das Inle Resort ist klasse. Unser freistehender Bungalow direkt am Wasser hat 80 m2. Alles ist im burmesischen Stil gebaut, aus Holz mit Türmchen und Schnitzereien. Um den Gesamteindruck nicht zu stören, sind die Lichtschalter hinter Holzschiebern. Hier können wir perfekt ein paar Tage ausspannen, entweder mit relativ viel Geld oder mit Cup-Noodles.


Das Wetter ist die gesamten 4 Tage hervorragend. Tagsüber ist es leicht bewölkt und hat etwa 30 Grad, über der Bergkette stehen den ganzen Tag hohe Wolkenberge wie festgetackert, am späten Nachmittag bewegen sie sich dann auf den See zu und es regnet etwa eine Stunde. Das ist der richtige Zeitpunkt, um es sich auf der überdachten Veranda mit Seeblick gemütlich zu machen und sich das Schauspiel eines richtigen Tropenregens anzusehen. Die Veranda ist den ganzen Tag ein wunderbarer Ort der Ruhe. Außer Vogelgezwitscher und dem Zirpen der Grillen hört man hier nichts.

Trotzdem ist das hier eine zwiespältige Angelegenheit. Ungefähr so stell ich's mir auf den Malediven vor. Prächtige Bungalows auf Stelzen, beste französische Küche - ohne Scherz, Küchenchef und Manager sind Franzosen - , aber ich fühle mich ein bisschen eingeschränkt. Die Möglichkeiten hier weg zu kommen sind eben äußerst begrenzt.

"You want to go by bike tomorrow? Yeeesss!"(Dazu bitte ein strahlendes Gesicht des Rezeptionisten vorstellen). "Oh, sorry! We have only one bike!"
"Ah, you want go to the vineyard! Nice!"..."No, we have no taxi to the vineyard!". War ja klar, dort gibt's auch ein Restaurant und wir sollen gefälligst unser Geld hier ausgeben.

Beim dritten Mal vorstellig werden an der Rezeption wegen unserer Flugtickets für den Flug nach Bagan fragt der Rezeptionist tatsächlich: "You want go to Yangon?". Spätestens jetzt wär's in einem europäischen Hotel an der Zeit, mal richtig laut zu werden. Aber wir sind ja in Asien. Also freundlich lächeln: "No, we go Bagan!" Morgen (Tag 3 unseres Ansinnens) sollten tatsächlich unsere Flugtickets bereit liegen. Man darf gespannt sein.


Wir machen drei Tage fast garnichts. Nur an einem Tag sind wir unterwegs. Wir lassen uns mit einem Speedboat über den Inle See kutschieren, sehen Tempel, einen Markt, ein Kloster, die schwimmenden Gärten, die mit langen Bambusstangen am Grund des Sees festgetackert werden, springende Katzen, Stelzendörfer und Einbeinruderer. Irgendwie war das auch wieder eine Art Butterfahrt, aber wir haben dabei immerhin Silberschmiede, Zigarrendreher und Lotusweber gesehen, und man wird auch nicht sehr offensiv gedrängt, etwas zu kaufen.


Genial fand ich den schwimmenden Markt. Der Teil des Marktes, der sich an Land befindet, ist eine Fundgrube für Freunde von schöner asiatischer Deko und Krimskrams, und Frau Karen war auch da (letztes Bild). Auch am Aufgang zum Pagodenwald von Indein kriegt man allerhand Silberschmuck, Lackwaren, Schnitzereien, Opiumgewichte und buddhistische Faltbücher zu sehen.


In zwei Stunden werden wir entlassen. Mittlerweile kommt es mir hier tatsächlich weniger wie die Malediven sondern eher wie Alcatraz vor. Klar ist das "Jammern auf höchstem Niveau", aber das Wesen eines SO-Asien-Urlaubs geht hier meiner Meinung nach völlig verloren. Ich bin schon sehr froh, wenn wir wieder unter Menschen sind. Auf nach Bagan!


Wir fahren für 20.000 Kyat auf einer hervorragenden Straße vom Resort zum Heho Airport (vergleicht dazu bitte die Geschichte unserer Fahrt zum Resort). Auf der Fahrt machen wir noch kurz am sehr fotogenen Teakholzkloster Shwe Yaunghwe Halt.

Bagan


"Thank you, Sir! Have a good night!" Gerade haben wir unseren Kutscher Oo in die dunkle Nacht entlassen, und sind in die Glitzerwelt des feinen Aya Yar River View Hotel Hotel eingetaucht. Oo wohnte bis 1990 in Old Bagan, bis die Regierung beschloss, hier eine archäologische Zone einzurichten und in einer Nacht- und Nebelaktion der Bevölkerung mitteilte, dass sie ihre Häuser verlassen muss um sich 7 km südlich anzusiedeln. New Bagan sollte diese neue Ansiedlung heißen, bis dahin waren dort bloß ein paar Erdnussfelder, ein staubiger Flecken Land. "Are you happy in New Bagan?" Meine Frage kostet den Mann nur einen langen Lacher, in dem viel Bitterkeit mitschwingt. Viel zu sagen ohne sich den Mund zu verbrennen, das haben die Leute hier gelernt.

Old Bagan ist jetzt eine Geisterstadt, ein paar Tempel, Läden und Restaurants. Wohnen darf hier niemand, außer uns zahlenden Touristen. Oo wendet seine klapprige Pferdekutsche und verschwindet in der Finsternis, 7 km noch bis "nach Hause".

Tagestour zum Mount Popa


Mount Popa ist ein Felsen vulkanischen Ursprungs und Heimat der Nats, der Naturgeister Myanmars, die vielleicht am ehesten mit unseren Schutzheiligen vergleichbar sind. Aber auch unzählige, ziemlich freche Affen fühlen sich hier wohl.


Unterwegs lernen wir auch noch, wie Sesamfelder aussehen, wie Palmzucker geerntet und verarbeitet wird und was man aus den Zuckerpalmen alles herstellen kann. Wir kaufen auch etwas Palmzucker und einen leckeren Rum, den man aus der Frucht brennt.

Den Guide für die Tour haben wir wieder am Flughafen kennen gelernt. Oder besser wurden wir kennen gelernt. Es war die selbe Masche wie zuvor in Yangon. Da wir allerdings sowieso die Tour zum Mount Popa buchen wollten, ist diese Vorgehensweise im beiderseitigen Interesse. Außerdem hat uns der Guide gleich ein paar hilfreiche Informationen gegeben, und am Weg zum Hotel haben wir gleich unseren Weiterflug nach Mandalay gekauft und Geld gewechselt.

Auch auf der Tour war der Guide sehr angenehm und hilfreich. Er erzählt, dass er schon 8 Jahre als Guide arbeitet, eigentlich sei er Lehrer, aber davon kann man in Myanmar kaum leben.
 
Apropos Geld: Auch wir haben ein kleines Bargeldproblem. Unsere Hotelrechnung im Inle Resort hat 175.000 Kyat betragen, nur für Essen und Getränke und ein bisschen Wäscherei. Das Zimmer war ja schon bezahlt. Und dieses Geld fehlt uns jetzt. Wir beschließen, in Mandalay eines der wenigen Hotels zu buchen, das Kreditkarten akzeptiert, das Mandalay Hill Resort. Wenn in Indien keiner meine Kreditkarte gecrackt hat, haben wir ca. 200 US-Dollar zusätzliches Geld und sind gerettet.

Die Pagoden von Bagan


Wir leihen uns im Hotel 2 Räder (je 3 US-Dollar für einen halben Tag), und widmen uns den Attraktionen Bagans, den unzähligen Tempeln und Pagoden. 6.000 waren es einmal, erbaut zwischen 9. und 12. Jahrhundert, 2.000 von ihnen sind noch erhalten.  Außerdem suchen und finden wir auch zwei der insgesamt nur 7 Geocaches, die in Myanmar versteckt sind.

Meine ersten Eindrücke, dass Burmesen aus reinem Interesse fragen, woher man kommt, muss ich hier übrigens etwas relativieren. Kaum ist man an einem Tempel angekommen, wird einem nach dem Stellen dieser Eingangsfrage schon allerhand Tand angeboten. Außer einem Bild, das angeblich aus Sand des Ayerwaddy gemalt wurde, können wir den Angeboten widerstehen.


Am schönsten ist der Ananda-Tempel, der bereits im 11. Jahrhundert vollendet wurde. Den Kern des quadratischen Tempels umlaufen zwei Korridore, in denen auf Sandsteinreliefs das Leben Gautama Buddhas illustrieren. An allen vier Seiten werden diese Korridore durch einen Gang unterbrochen, die in die Mitte des Tempels führen und jeweils bei 10 Meter hohen Buddha-Statuen enden, die die vier Buddhas der gegenwärtigen Zeit darstellen.

Foto: Shwezigon-Pagode in Nyaung U

Halbzeit unseres Asien-Tripps. Vormittags bleiben wir am Pool. Am Nachmittag erkunden wir Nyaung U. Die Stadt ist sehr weitläufig und hat außer der goldenen Shwezigon-Pagode und ein paar Gassen, in denen sich etwas Traveller-Infrastruktur etabliert hat, nicht viel zu bieten.

Gestern haben wir ein bisschen Myanmar-TV gekuckt. Nach den sehr nüchtern präsentierten Nachrichten wurde ein Song gespielt, vielleicht war's die Hymne, ich glaub allerdings eher ein Popsong. Eine hübsche junge Frau singt, untermalt von bunten Bildern. Ich hab kein Wort verstanden, trotzdem war die Botschaft klar: Unser Land ist schön und weil wir uns alle so gut vertragen, bringt uns das den Fortschritt. Die Bildersprache war eindeutig: Man sieht grüne Wiesen, klares Wasser, moderne Bauwerke. Die Menschen strahlen vor Glück, die unterschiedlichen Volksgruppen, erkennbar an ihren bunten Trachten tanzen miteinander, auch eine Karen-Langhalsfrau war darunter. Propaganda pur, wenn man hört wie die Regierung mit den Minderheiten im Land umspringt. Was mag sich wohl eine Dorfgemeinschaft denken, die vorm einzigen Fernsehgerät im Ort sitzt und diese bunte Scheinwelt sieht?

Mandalay

Foto: Ausblick vom Zimmer im Mandalay Hill Resort

Morgens nehmen wir den Flieger nach Mandalay. Obwohl der Flug über Heho geht, sind wir bereits um 10 Uhr im Mandalay Hill Resort. In einem der Imbisslokale am Stiegenaufgang zum Mandalay Hill holen wir unser Frühstück nach, das heute morgen in Bagan sehr spärlich ausfgefallen ist. Danach entspannen wir am Pool.

Doch ich will raus, der austauschbaren Umgebung eines Hotels entfliehen und in die Welt da draussen eintauchen. Gegen 17 Uhr verlassen wir das Hotel. Ein Sammeltaxi soll uns auf den Mandalay Hill bringen. Doch der PickUp-Fahrer will nicht sammeln, sondern uns für 7.000 Kyat hochfahren. 7 Euro für knapp 10 Minuten Taxifahrt sind sogar für Europa zu viel. Ich gebe der Kyat-hungrigen Meute zu verstehen, dass wir dann doch lieber laufen. Einer der Fahrer spuckt deutlich hörpbar hinter mir in den Sand. Ich bereue immer noch, dass ich diese Geste nicht erwidert habe. Ich seh einfach nicht ein, dass ich von manchen Leuten als wandelnder ATM angesehen werde.

30 Minuten einen Fuß vor den anderen setzen, eine Stufe nach der anderen nehmen, macht mich dann aber wieder ruhig und gelassen, und vielleicht ist das auch irgendwie der Grund, warum buddhistische Tempel oft auf Bergen stehen.

Mandalay Hill


Oben angekommen: Eine blitzsaubere, gekachelte Fläche, eine grün-gelb-rot-spiegelglitzernde Pagode und etwa 100 Touristen, die auf den Sonnenuntergang warten, dem seine Magie jedoch durch dicke Wolken am Horizont genommen wird.

Foto: Blick vom Mandalay Hill

Als wir wieder bei Kräften waren, konnten wir den Ausblick genießen (Foto: Im Vordergrund das Mandalay Hill Resort, dahinter das befestigte Areal des Königspalasts und dahinter Mandalay). Dann nahmen wir den Abstieg in Angriff, leider über die selbe Route, die wir hochgekommen sind. Der andere Weg ist gesperrt, vielleicht ist er baufällig?! Und da stehen sie, die Sammeltaxen und warten auf Fußlahme und Faule. 1.000 Kyat pro Person werden aufgerufen. Na also, geht doch! Wir besteigen den PickUp, der Boden ist übersät von Schuhwerk. Da hat wohl jemand einen Roundtripp gebucht, wir müssen warten, bis die Sandalenbesitzer auftauchen, vorher geht nix.

Eine Gruppe Thais erscheint, leider nicht unsere Mitfahrer. Einer setzt sich zum Schuheanhziehen in unser Pick-Up. "Do you mind?", fragt er höflich. "Mai pen rai!" (macht nichts), kriegt er von mir als Antwort. "Oh, you speak thai?!". Klar, fließend sogar, leider nur 10 Wörter. Wir flachsen ein wenig, dann kommt bereits der Rest meiner Fahrgemeinschaft, es kann los gehen.

Das PickUp setzt sich in Bewegung, die Straße ist steil, kurvig. Es rumpelt und scheppert, das Ding schießt nach unten wie ein Bob im Eiskanal. Mitten auf dem Weg zu einer neuen Bestzeit dann eine Vollbremsung. In einer Kurve kommt uns ein Moped entgegen, trotz Einbahnregelung. Ein kurzer Wortwechsel, dann geht's weiter. Unten angekommen sage ich zum Fahrer: "Nice ride, was fun, see you tomorrow!" Allgemeine Heiterkeit, wahrscheinlich ausgelöst durch erhöhten Adrenalinausstoß, nach diesem wilden Ritt.

Foto: Ein Mazda B600, das typische Taxi in Mandalay

Danach noch eine Taxifahrt in ein geniales Lokal, es heißt Rainbow und bietet billiges eiskaltes Bier vom Fass und leckeres Essen auf einer luftigen Terrasse. Ich fühle mich heute so richtig in Südostasien angekommen. Ich hatte heute richtig Spaß, sogar beim Streit mit der Taximafia vom Mandalay Hill. Mandalay lebt und wir sind mittendrin. Bagan kann da nicht mithalten, das besteht bloß aus zwei Streusiedlungen (Nyaung U und Neu Bagan) und einem Freilichtmuseum (Old Bagan). Und ein Taxi ziehe ich einer Kutschfahrt 1000 mal vor, auch oder gerade wenn es sich wie hier um ein klappriges, trabiähnliches PickUp handelt. Genau genommen ist es ein Mazda B600, blau lackiert und mindestens 30 Jahre alt.

Zegyo Market

Foto: Zegyo Market in Mandalay

Der Taxifahrer, der uns gestern ins Rainbow gefahren hat, bringt uns heute früh in ein Reisebüro in der Stadt. Uns sind mal wieder die Kyat ausgegangen, wir müssen wechseln. Danach gehen wir einfach munter drauf los, immer in Richtung Zeygo (Seischo, das heißt "zentral") Market. Ein Stückchen fahren wir auch mit einer Trishaw, dem für Mandalay typischen Gefährt. Dabei handelt es sich um eine Fahrradrikscha, die - Rücken an Rücken - zwei Fahrgäste aufnehmen kann. Einer kuckt in Fahrtrichtung, der andere genießt den Ausblick nach hinten.

Lt. Reiseführer ist Zeygo Market für Touristen weitgehend uninteressant. Wir finden ihn jedoch äußerst interessant, es ist ein großer Markt für Obst, Gemüse und die Dinge des täglichen Bedarfs. Ein sehr lebendiger Ort wo es viel zu beobachten gibt.


Foto: Auf dem Weg zur Eindawyar-Pagode

Wir verlassen den Markt in westlicher Richtung, und steuern die Eindawyar-Pagode an. Von dort gehen wir weiter in Richtung Fluss. Lt. Stadtplan ist es ein Katzensprung bis zu einem netten Lokal direkt am Fluss. Doch in echt ist Mandalay dann doch nicht so schachbrettförmig, wie es am Stadtplan aussieht.

Ein Trishawfahrer fragt, ob er uns helfen kann und erklärt uns genau den Weg. Erst dann fragt er, ob er uns fahren soll. Das finde ich sehr symphatisch. Klar lassen wir uns fahren, er bringt uns ins gewünschte Lokal, das seit Erscheinen unseres Reiseführers ebenfalls seinen Namen geändert hat. Der Fahrer weiß allerdings genau, was wir wollen. und wir trinken auf der Flussterrasse ein paar eisgekühlte Bierchen und essen Hühnerspießchen.

Königspalast

Dann bringt uns der Trishaw-Fahrer zum Königspalast. Das Palastgelände hat eine Seitenlänge von 2 Kilometern und ist von einer hohen Mauer und Wassergräben umgeben. An der Kasse müssen wir für 10 US-Dollar pro Person das Ticket für die Mandalay archaelogical zone erwerben und unsere Reisepässe vorzeigen. Zu Fuß gehen wir dann eine ca. 1 km lange kerzengerade Straße bis zur Rekonstruktion des Palasts. Fotografieren ist auf dem Weg zum Palast verboten, und man muss auf der direkten Route bleiben, da im Palastgelände heutzutage ca. 10.000 Soldaten der burmesischen Armee untergebracht sind. Kaum zu glauben, außer ab und zu mal einem Offizier auf einem Fahrrad, kriegen wir hier nichts zu sehen, nur Felder und Obstbäume, später ein irrwitzig großer aber leerer Exerzierplatz.

Der ursprüngliche Palast wurde im zweiten Weltkrieg ein Raub der Flammen. Die Rekonstruktion ist prächtig, wirkt aber irgendwie leblos. Wenn nicht ein Modell von König Mindon auf einer Rekonstruktion des berühmten Löwenthrons sitzen würde und im hintersten Teil der Anlage ein kleines Museum Kutschen und Uniformen zeigen würde, gäb's hier überhaupt nichts zu sehen. Mir kommt die Idee, diese Gebäude in ein Luxushotel umzufunktionieren. "Mandalay Palace Hotel" klänge doch gut.

Foto: Sandamuni-Pagode

Wieder draußen angelangt haben wir eine interessante Unterhaltung mit unserem Trishaw-Fahrer. Ob er an Nats glaubt, will ich wissen. Er schüttelt entgeistert den Kopf. Für ihn sind das alles Narren, die die Geister anrufen, oder in der Pagode Geld spenden, damit ihre Wünsche in Erfüllung gehen und sie ein besseres Leben haben. "Be good, honest and work hard, and you will have a better life." Der Junge ist vielleicht 20 Jahre alt, hat lange glatte Haare und klare, stechende Augen. Er spricht besser Englisch als alle unsere Guides bisher. Er erzählt, dass er es nur von den Touristen gelernt hat. Seine Freunde hielten ihn für verrückt, weil's doch wesentlich mehr bringt, chinesisch zu lernen. "Die Chinesen sitzen überall, wenn Du Dir's mit denen gut stehst, bringt das gutes Geld. Aber die bringen mich nicht weiter. Von den westlichen Touristen kann ich mehr profitieren, mehr lernen." Offizieller Tourguide könne er nur werden, wenn er einen Englischkurs besucht und (!) von seinem Englischlehrer eine Empfehlung erhält. Doch die ist nur schwer zu bekommen (dazu macht er mit den Fingern der rechten Hand die international übliche Geste für Geld.

Er fährt uns noch zum Shwenandaw-Kloster und zur Sandamuni-Pagode und danach zum Hotel zurück. Morgen würde er uns gerne wieder fahren, wir eigentlich auch. Aber für's heutige Abendessen in Ko's Kitchen und die morgige Tour nach Amarapura haben wir bereits ein "appointment" (eine Abmachung) mit unserem Stamm-Taxifahrer. Das Wort "appointment" hab ich gerade eben von unserem jungen Trishaw-Freund gelernt. Amarapura wäre ihm sowieso zu weit: "You want to kill me!", winkt er ab. Nein, wir wollen, dass er seine Ideale behält und ein glückliches, erfolgreiches Leben lebt.

Amarapura

Vor dem Hotel wartet bereits unser Taxi-Fahrer, wie ein Privatchauffeur begrüßt er uns mit einem zackig-freundlichen "Good morning, sir!" und bringt uns mit seinem kleinen blauen Flitzer nach Amarapura. Es ist natürlich nicht "sein" Auto, denn er kommt entweder jeden Tag mit einem anderen, oder die Rostflecken wechseln über Nacht ihre Position. Wir zahlen gut, damit bei ihm auch was hängen bleibt.

Um 9 Uhr früh sind wir bereits an der "längsten Teakholzbrücke der Welt", die jedoch im Nieselregen schnell ihren Charme verliert. Ich kenn sie ja nur von den pastellfarbenen Fotos bei Sonnenauf- und untergang. Der Monsoon ist für solche Prachtbilder die falsche Jahreszeit.

Dafür ist die Ausspeisung der Mönche umso sehenswerter. In der Regenzeit dürfen die Mönche nicht reisen. Deshalb sind es an die 2.000, die an der Speisung teilnehmen. Wir treffen außerdem Zsa Zsa, unseren Guide in Yangon. Er ist mit einem einzelnen Touristen hier, der ihn für 14 Tage gebucht hat.

Ein letztes Mal „Tempel“. Aber die Mahamuni-Pagode im Süden von Mandalay ist auch etwas besonderes. Sie beherbergt die bedeutendste Buddhafigur Myanmars. Die Gläubigen bekleben sie unentwegt mit Blattgold. Das Gold, das von alleine immer wieder abfällt, wird aufgekehrt und gesammelt. Ein Kilo jährlich läppert sich alleine dadurch zusammen.

Abends gehen wir ins Golden Duck, ein auf Pekingente und Reisegruppen spezialisierter Chinese. Das Essen ist gut, Pekingente sparen wir uns jedoch, zu teuer und für zwei Personen auch viel zu viel.

Abends haben wir noch eine Nachricht von Air Manderlay erhalten. Unser Flug nach Yangon wurde um 30 Minuten vorverlegt. Woher die wohl wissen, dass wir im Mandalay Hill wohnen?! Wir haben's weder der Airline gesagt, noch am Flughafen angegeben. Rätselhaftes Myanmar.

Zurück in Yangon

Bild: Sule Pagode in Yangon

Unser Flug nach Yangon geht via Heho. Dann haben wir noch eine Nacht im Parkroyal in Yangon ehe es nach Thailand geht. Aus dem Shoppingbummel am Bogyoke Markt wird leider nix. Uns ist endgültig das Geld ausgegangen. Es reicht gerade mal für 2 Taxifahrten in Yangon und ein Abendessen.


Foto: Propagandakunst am Flughafen

Fehler sollte man nur 1 x machen, hat mir zumindest mal jemand in einem Qualitätssicherheits-Seminar erklärt. Das Qualitätsmanagement unserer Reise lässt zu wünschen übrig, denn wir haben soeben einen mittelschweren Fehler binnen zwei Wochen zum zweiten Mal gemacht. Wir haben unseren Flug nicht rückbestätigen lassen und nur blicken wir mit großen Augen auf den Bildschirm mit den Abflügen. Alle fliegen, nur neben unserem Air Asia - Flug nach Bangkok steht "cancelled". Im Airline-Büro erklärt man uns, dass wir auf die Abendmaschine gebucht wurden. Und wenn man aus Fehlern nicht lernt, wird die Strafe erhöht: Gleich 11 Stunden müssen wir am Flughafen in Yangon ausharren, denn Alternativen dazu gibt es nicht. Obwohl vormittags gleich mehrere Maschinen in Richtung Bangkok starten, können wir leider kein Ticket kaufen, da auch die Fluglinien keine Kreditkarten akzeptieren. Und wir haben nicht mal mehr das Geld um zurück ins Hotel fahren zu können.

Wir hanteln uns von Stunde zu Stunde: Eine Stunde Bierchen trinken, eine Stunde Billard spielen am Handy (das für nichts sonst zu gebrauchen ist, da ich nicht einmal ein GSM-Netz empfangen kann), eine Stunde Reisebericht schreiben, eine Stunde Kaugummi kauen und buddhistischen Gleichmut üben, dann wieder von vorne.

Genug Zeit jedenfalls, um ein Resümee über zwei Wochen Myanmar zu ziehen. Zwei Wochen in einem sehr schönen Land, wo einem so viel Lächeln entgegenschlägt, dass einem abends die Mundwinkel weh tun vom zurücklächeln. Shwedagon Pagode, die Tempel von Bagan, der Mandalay Hill, all das wird uns ewig in Erinnerung bleiben. Das pragmatische Fazit des Reisenden sieht etwas anders aus. Dass man hier seine gesamte Barschaft mit sich rumtragen muss, ohne Chance an einem ATM nachzuladen, dass es de facto kein Internet gibt, keine vernünftige Telefonverbindung, kaum Alternativen zu den - obendrein unzuverlässigen - Inlandsflügen, und vielerorts ein unverschämtes Taxikartell, all das lässt den Reisespaß erheblich schrumpfen.

Ich sitze hier auf einem internationalen Flughafen, kann mir aber kein Ticket in die Freiheit kaufen, was mich an meine Malediven-Gefühlskrise vom Inle See erinnert, kann nicht mal unseren Kontakt in Bangkok verständigen, dass wir 11 Stunden später ankommen.

In der Glotze am Airport läuft gerade eine Werbung für teuren Schmuck. Zwei junge, gut gelaunte und gut (also westlich) gekleidete Menschen werden durch den Erwerb von teurem Geschmeide gleich noch besser gelaunt. Im nächsten Spot tanzen zwei jugendliche Erfolgsmenschen in ihrem neuen Luxushaus der Firma "Fatherland Constructions". Wie weit die Realität doch hier von der Scheinwelt des Fernsehens abweicht.

Hier gibt es Menschen, die zum täglichen Broterwerb mit einer Personenwaage durch die Gegend ziehen, gegen Gebühr darf man sich mal draufstellen. Andere betteln, sammeln Müll oder arbeiten am Flughafen als Kofferkuli, was meiner Meinung nach zu den dümmsten Broterwerben weltweit gehört, in Zeiten wo sämtliche Koffer mit Rollen und Griffstangen ausgestattet sind. Wie mag die TV-Glitzerwelt wohl auf all diese Leute wirken.

Ich merke, dass ich mich schon wieder zu sehr mit Dingen beschäftige, die ich nicht ändern kann. Ich sollte mich mehr um mich selbst kümmern, da gibt's genug zu tun. Und ich glaube, genau das tun auch die Burmesen. Ich glaube, die wissen, dass sich Glück und Reichtum nicht in ihren Hosentaschen oder auf ihren Bankkonten befinden sondern in ihren Herzen und ihren Gedanken, und diesen Reichtum kann man ihnen nicht wegnehmen.

Anders lässt es sich in dieser scheinheiligen, korrupten Welt gar nicht aushalten. Auch in Myanmar ist mittlerweile der Fernseher, dieses zentrale Instrument zur Manipulation der Bevölkerung, allgegenwärtig, während Telefone und Internet, als Medien zur interaktiven Kommunikation und Information so gut wie nicht vorhanden sind.

Viel gesehen und erlebt haben wir in den vergangenen zwei Wochen in Myanmar. Aber jeder Versuch, die vielen Mosaiksteinchen zu einem Ganzen zusammen zu führen muss natürlich scheitern. Wir haben hier maximal ein bisschen an der Oberfläche gekratzt, und hatten genügend Zeit zum Nachdenken und Aufarbeiten unserer zahlreichen Erlebnisse .


Viele Gedanken kreisen einem nachher im Kopf. Und dann kommt man nach Hause, wird gefragt: "Wie war's?" Und man sagt: "Schön!" und begibt sich wieder ins eigene Hamsterrad.