Pak Beng

Personentransport am Anlieger von Pakbeng

Die Mekongfahrt von Houay Xai nach Luang Prabang ist eine touristische Rennstrecke. Absolvieren kann man sie in einer halsbrecherischen Speedboattour oder als beschauliche zweitägige Fahrt in Personenschiffen unterschiedlicher Komfortklassen. Ich habe eine komfortable Version gewählt und befinde mich mit nur vier anderen Reisenden auf der „Nagi of Mekong“. Meine Mitreisenden sind ein älteres Ehepaar aus London und ein Australier mit seiner Thai-Freundin.
Abends legt die Nagi in Pak Beng an, einem versifften Touristennest, das ich vom ersten Augenblick an nicht leiden kann. Ich hab den Eindruck, dass alle hier den ganzen Tag rumhängen und auf die Touristen warten, die abends ankommen und morgens wieder abziehen. Die Hotels, Restaurants und Gästehäuser leben von der Laufkundschaft, folglich ist das Preisniveau hoch und die Qualität niedrig. Mein Zimmer hat direkten Blick auf den Mekong, was sich besser anhört, als es ist. Die ganze Nacht werden mit Getöse Frachtschiffe beladen, es klingt, als würden aus größerer Entfernung leere Eisenfässer in den Frachtraum geworfen. Ich kann kaum schlafen.

Luang Prabang

Hier mündet der Nam Khan in den Mekong

Spaziergang in der menschenleeren Altstadt von Luang Prabang. Wen stört, dass hier alles überfüllt ist, braucht die Stadt bloß antizyklisch zu besichtigen, das bedeutet in diesem Fall, die Mittagshitze auszunutzen. Dann hat es 36 Grad und man ist so gut wie alleine. Einquartiert hab ich mich in der Villa Maidou. Es ist sehr schön hier! Alles im Stil französischer Kolonialvillen: dunkles Holz, kühle, luftige Räume, eine gemütliche Veranda, an der Decke drehen sich große Ventilatoren. Im Herzen halte ich es eher mit den Gentleman-Reisenden des 19. Jahrhunderts als mit den Backpackern des 21. Also hellbeiger Tropenanzug statt Muscleshirt mit „Same Same“-Aufdruck, Panamahut statt Baseballkappe, Schrankkoffer statt Rucksack und Afternoon Tea statt Lemon-Laowhiskey-Shake. In Luang Prabang spürt man noch den Geist alter Kolonialzeiten, wenn man sich bemüht.

Ein Brummi auf Reisen

Ich hab Zeit und lese ein bisschen in Blogs. Reiseblogger finde ich lustig. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber grundsätzlich zeichnen sich Reiseblogger durch folgende Eigenschaften aus:

-) Überhöhte Selbsteinschätzung
-) Nerviges Mitteilungsbedürfnis
-) Naivität (zumindest dann, wenn sie glauben, sie hätten eine Marktlücke entdeckt und könnten vom Bloggen leben)
-) Dazu kommt manchmal auch noch eine erschütternde Begabungslosigkeit im Umgang mit der deutschen Sprache

Ein gutes Beispiel heute. Eine Bloggerin schreibt: „Endlich! Brandneu! Meine Anti-Packliste für euch ist da!“ Dauerbrenner Packliste! Wenn ein Reisender mit übersteigertem Mitteilungsbedürfnis (kurz Blogger) gar nicht mehr weiß, was er/sie schreiben soll, kommt eine Packliste.

Frau Messia stellt sich also auf den heiligen Berg und verkündet das Backpacker-Evangelium. Ist das nicht zum Schreien komisch. Zipp-off-Hosen zum Beispiel sollten zu Hause bleiben. Sie machen den Reisenden sofort als solchen erkenntlich. Da geht ein Raunen durch das aufmerksam lauschende Gefolge. Ich muss das morgen gleich probieren. Ich werde eine Hose ohne Zipp-off anziehen und mich unerkannt unter Reisbauern, Marktschreier und Bootsleute mischen.

Dann folgt ein echter Knaller: Teil ihrer unverzichtbaren Ausrüstung sind ein Selfiestick (sic!) und ein Vibrator (sic! sic! sic!). Diese beiden Verkündungen werden selbstredend mit Affiliate-Links versehen. Das bringt jedes Mal ein wenig Kleingeld, wenn ein Jünger den Brummi anklickt. Sex sells! Und bringt die (Spar-)Dose zum Klingeln. Cent by Cent!

Ich möchte der guten Frau auf diesem Wege vorschlagen, das Flashpacker-Credo „Alles, was mit Batterien funzt, ist cool“ zu überdenken, und vielleicht auf Handbetrieb und Kopfkino umzustellen. Beides funktioniert stromunabhängig und überzeugt durch geringstes Gewicht und Packmaß. Hände waschen nicht vergessen. Vorher und nachher.Großartig, was es alles gibt. Die Welt ist so bunt. Herrlich!

Pindabat

Um 5 Uhr früh läutet der Wecker. Wie gestern. Heute jedoch kann ich mich überwinden und stehe tatsächlich auf. Draußen ist es stockdunkel. Auf dem Weg in die Altstadt verbellen mich die Hunde. Wohin des Weges? Zum Pindabat, dem Almosengang der Mönche.

Es ist kein Betteln, sondern vielmehr eine Ehre für die Spender, die Mönche mit Speisen und Getränken zu versorgen. Sechshundert sollen es sein, die aus den zahlreichen Klöstern der Umgebung strömen. Stoisch nehmen sie die Gaben der Gläubigen entgegen, wie jeden Morgen.

Luang Prabang - Vientiane

Ausflüge werden hier an jeder Ecke angeboten. Auf den Tafeln der Reisebüros liest sich das wie folgt:

Hmong Village and Buddha Cave
Waterfall and Buddha Cave
Buddha Cave and Hmong Village and Waterfall
Elephant Camp, Waterfall and Bhudda Cave
Buddha Cave, Buddha Cave and Buddha Cave

Viel „Auswahl“ für die Backpacker, die Individualisten (!) unter den Reisenden, um ein maßgeschneidertes Tagesprogramm zu absolvieren. Ich will einen Roller mieten, das geht aber nur, wenn man den Reisepass hinterlegt. Dann also nicht! Die Höhle kenn ich, einen Wasserfall hab ich schon mal gesehen und auf ein Hmong-Village mit chinesischem Fetzenmarkt hab ich echt keinen Bock! Morgen geht's nach Vientiane weiter.

Ein wenig weine ich immer noch der ursprünglichen Route nach. Den wilden, reißenden Gebirgsbach Mekong bzw. Lancang Jiang (reißender Fluss), wie er in China heißt, hätte ich schon gerne erlebt.

Ich bin gestern von Luang Prabang nach Vientiane geflogen. Auf die Idee hatte mich das englische Ehepaar gebracht, das gemeinsam mit mir auf der „Nagi of Mekong“ gewesen war. Ich hatte ihnen erklärt, dass Inlandsflüge für mich nicht infrage kämen, weil ich ja ausreichend Zeit hätte. Die Alternative wäre allerdings eine mindestens zwölfstündige Busfahrt zum Travellernest Vang Vieng und weiter nach Vientiane. Landschaftlich zwar reizvoll, aber von der Gegend würde ich wegen des Smogs ohnehin nicht viel sehen. Die Idee zu fliegen, fand ich deshalb verlockend.

Am Flughafen hab ich in einem Bookstore rumgekramt, als ich hinter mir eine Stimme vernahm: „Rüdi!!!“. Es war Janet, die Engländerin. Sie hat nicht mich, sondern meinen plüschigen Reisebegleiter erkannt, der neugierig aus dem Rucksack lugte. Die beiden Engländer waren auf denselben Flug gebucht wie ich. Reiner Zufall. Ich wusste ja nicht einmal, wie lange die beiden in Luang Prabang bleiben. Erwischt! Zuerst hatte ich die große Klappe von wegen „keine Inlandsflüge“ und dann ertappen mich die beiden auf frischer Tat.

Vientiane

Viele Straßennamen erinnern an die koloniale Vergangenheit

Vorhin hat mich eine junge Laotin in recht gutem Englisch angesprochen. Rüdi gefällt ihr so. Woher ich komme? Ah, Österreich! Ihre Schwester steht kurz davor, nach Österreich auszuwandern. Als Krankenschwester. Zufälle gibt's! Ob sie meine kostbare Zeit in Anspruch nehmen könne. Ich möge doch beim Ausfüllen von ein paar Formularen helfen. Bei ihr zu Hause. Ja, klar! Morgen um 12 Uhr mittags. Ich freu mich drauf. Um 11 Uhr geht mein Bus. Muss sie ja nicht wissen. Als Alleinreisender mit einem Bündel 1.000-Baht-Scheine in der Tasche muss man vorsichtig sein.

Busfahrt von Vientiane nach Thakhek

Zusätzliche Sitzplätze, die bei erhöhtem Passagieraufkommen zum Einsatz kommen

Gebucht hab ich VIP-Bus, gefahren bin ich ... tatsächlich mit einem VIP-Bus. Ich hatte die komplette Rückbank für mich und hab die meiste Zeit der fünfstündigen Fahrt gepennt. Thakhek find ich sogar abends langweilig. Es gibt einen kleinen Hauptplatz, auf dem ein paar Garküchen aufgestellt werden. Sonst ist hier nichts los. Die Attraktion der Gegend ist ein Loop, eine mehrtägige Rundfahrt, auf der man unter anderem Höhlen besichtigen kann. Darauf ist hier alles ausgerichtet. Mopedverleih, Gepäckaufbewahrung ... Man kommt also hierher, um wegzufahren, und das mach ich morgen auch!

Savannakhet

Kolonialarchitektur und ein Vintage-Bully in Savannakhet

Schon mal mit fünf (!) Mopeds in einem Bus gefahren? Ich schon. Heute von Thakhek nach Savannakhet. In dem Städtchen am Mekong bin ich nur gelandet, weil ich nicht so lange am Stück mit dem Bus fahren möchte. Alles ist hier recht weitläufig und unspektakulär, von meinem Hotel in der Nähe des Busbahnhofes laufe ich gut 20 Minuten ins Zentrum. Dort gibt es französische Kolonialarchitektur, eine Kirche, einen Hauptplatz, auf dem ein Nachtmarkt stattfindet, und ein paar nette Lokale am Fluss. Es lässt sich also aushalten. Und endlich darf ich einmal Laos „erfahren“. Auf dem Motorbike nämlich. Auf halbem Weg zur That Ing Hang Stupa, einem auch für Thais wichtigen Heiligtum, bekomme ich Gesellschaft. Ich treffe einen jungen Italiener, dessen Motorbike nach einer Pause nicht mehr anspringt. Nachdem wir es wieder zum Laufen gebracht haben, beschließen wir, die Fahrt gemeinsam fortzusetzen. An meinem Bike funktionieren nämlich weder Tachowelle noch Vorderbremse. Unterwegs sehen wir trockene Reisfelder, Seen, Wasserbüffel und vieles mehr. An einem Stand am Straßenrand trinken wir Zuckerrohrsaft. Ein gelungener Tag! Am nächsten ...

... wieder eine Busfahrt

"Tiefergelegter" Bus auf dem Weg nach Pakse

Die sind aber auch sehr aufregend hier. Diesmal haben wir keine Motorroller im Fahrgastraum. Dafür aber mächtig viel Ladung, die bei Schlaglöchern auf das Busdach durchschlägt und irgendwann auch verrutscht. Letztlich wird die Fracht teilweise auf einen anderen Bus umgeladen.

Die Fahrzeit von Savannakhet nach Pakse beträgt sechs Stunden. Um umgerechnet 50 Euro hätte ich die Strecke auch fliegen können. Die Busfahrt kostet fast nichts und das gesparte Geld verprasse ich jetzt im Hotel Athena am Swimmingpool. Zwei Nächte hier, dann drei Tage auf dem Motorbike übers Bolaven-Plateau, zu Pii Mai Lao (dem Wasserfest) wieder ins Athena und dann zu den 4.000 Inseln. Sounds like a plan!!!

Bolaven-Plateau

Tad Yuang Wasserfall bei Paksong

Wieder auf zwei Rädern unterwegs. Das Hochplateau liegt östlich von Pakse in Südlaos und ist vor allem ein wichtiges Kaffeeanbaugebiet. Verkostungen, Wanderungen zu Plantagen etc. werden überall angeboten. Außerdem gibt es in der Gegend schöne Wasserfälle. In Pakse kann man Motorbikes leihen. Mit „meiner“ fast neuen Honda Wave 100 und meinem Vermieter „Pakse Travel Co, Ltd.“ bin ich absolut zufrieden. Ich fahre nur den kleinen Loop, entspannte 210 Kilometer auf guten Straßen, und nächtige in Tad Lo und Paksong.

Sabaidee Pi Mai

Happy new year from Pakse! Die Halbzeit meiner Reise ist natürlich nicht der Grund der Feierlichkeiten. Laos feiert das Neujahrsfest und damit den Beginn der Regenzeit. Von Regen ist allerdings keine Spur, nass wird man trotzdem, wenn man nicht aufpasst.

Don Det, Don Khone

Laos ist das einzige Binnenland SO-Asiens und trotzdem ein Inselreich. Don Khone ist eine der „4.000 Inseln“, die sich hier in Südlaos aus dem Mekong erheben. Gemeinsam mit der Nachbarinsel Don Det bildet Don Khone ein Backpacker-Dorado. Don Khone ist die ruhigere der beiden Inseln, doch auch hier sind Banana Pancakes, Fried Rice und bemerkenswert selbstironische „Been there, Don Det“-T-Shirts zu finden. Im Schrank meines Bungalows hängen Schwimmwesten. Ich wohne direkt auf (!) dem Mae Nam Khong, der Mutter der Flüsse. Toller Ausblick und wenn ich mag, kann ich die Füße ins Wasser hängen lassen.

1866 brach ein französisches Team auf, um den Mekong auf seine Schiffbarkeit zu erkunden. Es sollte ein Handelsweg nach China entstehen, um den Engländern das Geschäft nicht vollends zu überlassen. Als sie nach Don Khone kamen, waren sie bereits durch Krankheiten schwer gezeichnet. Rasch mussten sie erkennen, dass hier auf dem Wasser nichts geht. Später wurde dann eine Eisenbahnlinie quer über Don Khone und Don Det gelegt um die Mekongfälle zu umgehen. Immerhin war diese kleine Bahnlinie bis in die 1930er-Jahre in Betrieb. Ein kommerzieller Erfolg wurde sie nie. Heute kann man noch die Reste des französischen Hafens erkennen und die alte Eisenbahnbrücke verbindet immer noch die beiden Mekonginseln.

Busfahrt von Laos nach Cambodia. It was like ...

Gib Gas, wir woll'n Spaß!

„International VIP-Bus direct from here to Siem Reap!“ Der Ticketdealer von Pan's Guesthouse zeigt mir ein Bild. Und was für eines! Im wahrsten Sinne ein Bild von einem Bus! Wahrscheinlich direkt von der Volvo-Homepage runtergeladen. Egal, das Angebot ist ohne Alternative, also buche ich.

Am nächsten Tag geht es um 8 Uhr mit dem Boot von Don Khone ans Festland und direkt zu einem kleinen Reisebüro. Dort werden die Tickets gegen andere Tickets getauscht. „Wait here!“ Es ist ein guter Platz, um zu warten, vor allem für den Betreiber. Jeder kauft irgendwas, Getränke oder Kekse, und fast jeder tauscht Kip in Dollar.

Oh, wie mich diese Backpacker-Fratzen anwidern. Manchmal sind sie ja nützlich, um Fahrgemeinschaften zu bilden oder um ein wenig zu quatschen. Aber hier wird's mir echt zu viel. Mich interessiert es nicht, wer wo wie lange war und wie chillig er es dort fand. Und die Sprache! Ich kann das Wort „like“ nicht mehr hören. „It was like ...“, „ I had like four beers ...“, „I paid like ...“, „The bus was like ...“, „ I was there like 3 days.“ Backpacker-Englisch, oder was soll das sein? Eine stundenlange, vielstimmige Kakophonie: Wo warst Du vorher? Oh, ich auch! Wie lange? Ah, ich nur drei. Ich vier. Wie fandest Du ...? Oh, it was sooo nice. Wie viel hast Du bezahlt? Ja, ich auch. Hast Du auch den Treck gemacht? Ja, ich auch. Leute, ihr habt alle denselben Reiseführer in der Tasche, geht in dieselben Hostels, trefft euch abends in denselben Bars, habt alle Batikhosen und Trägershirts an, natürlich macht ihr alle auch die gleiche Tour. Wundert ihr euch wirklich darüber?

Vielleicht war es mal anders. Aber heute ist es die Spaßgesellschaft auf Reisen, SO-Asien ist nur eine Bühne für die eigenen Eitelkeiten und Interesse für Land und Leute ist nicht einmal oberflächlich vorhanden.

Wir latschen zur Busstation. Das altersschwache Gefährt ist kein Volvo, kein VIP-Bus und war auch nie einer. Alle sind sich einig: Hoffentlich fährt der nur bis zur Grenze. Es kommt noch besser: Nach drei Kilometern ist Schluss. „Sorry, no petrol! Five minutes!“ Dabei handelt es sich in Südostasien nur selten um eine Zeitspanne. „Five Minutes“ heißt eher so etwas wie „Lass mich in Ruhe, ich weiß ja selber nicht!“. Nach einer halben Stunde kommt Hilfe in Form von zwei Benzinkanistern. Anspringen will der Bus trotzdem nicht. Starthilfe? Vergeblich! Für die Spaßgesellschaft läuft alles ganz normal weiter. Man setzt sich mit dem iPhone ins Gras oder holt die Hula-Hoop-Reifen raus. Ich vertreibe mir die Zeit mit einer Wasserschlacht. Ein paar neugierige Kids mit bunten Spritzpistolen beobachten uns aus sicherer Entfernung. Ich starte einen Angriff mit meiner Halbliter-Wasserflasche, bin aber gegen die Armada von Spritzpistolen chancenlos. Ein paar meiner Mitreisenden legen die iPhones weg, um mitzumachen. Bin mir sicher, dass einige noch nie zuvor so nah an der lokalen Bevölkerung dran waren.

Dann geht's weiter. Wir quetschen uns in einen Minibus! Alle! Ich komme mir ein wenig vor wie in dieser Gummibärchen-Dauerwerbesendung, die früher im TV lief. Wetten, dass 40 Leute in einen Bus mit 20 Sitzen passen?

Beim Grenzübergang trenne ich mich von den Spaßbürgern. Ich hab ja meinen Reisepass. Die Grünohren haben ihren beim „Veranstalter“ abgegeben. Vergnügt beobachte ich, wie die Zotteligen alle beim „disease check“ anstehen. Ich bin dort einfach mit einem freundlichen „No, thank you!“ vorbeigegangen, sie stehen nun Schlange für die Messung ihrer Körpertemperatur.

Nächste Wartepause nach dem Grenzübertritt. „Five minutes!“ Auch das erste Restaurant in Cambodia will verdienen und die ersten Rucksackratten werden schon hungrig. Um die Zeit macht Mutti sonst Mittagessen. Nach zwei Stunden geht's weiter. Der Bus ist „Overbooked, sorry“. Ich stehe auf der ersten Stufe, weiter komm ich nicht. Mein Kopf wird gegen die Frontscheibe des Busses gepresst. Aber es ist ja nur eine Stunde bis Stung Treng. Dort – richtig! – ein Restaurant! Also wieder „ five minutes“ warten. Den Jüngern des Lonely Planet ist das alles völlig egal. Die sind, wo sie immer sind, unter ihresgleichen. Ob man die Hula-Hoop-Reifen in der coolen Strandbar auspackt oder in der Busstation ist egal. Und „fried chicken rice“ gibt's da wie dort.

Dann werden die Chiller auf zwei Busse aufgeteilt. Einer geht nach Phnom Penh, der andere nach Siem Reap. Beide Busse stehen hier, seit wir angekommen sind. Ich nehme die letzte Reihe in Beschlag. Schaut nicht so, ich bin eben „same, same, but different“. Wie's auf euren T-Shirts steht. Gute Nacht! Ich schlaf jetzt mal 'ne Runde. Ein letzter Aufreger kurz vor der Ankunft. Mein Sitz wird heiß und die Luft neblig. Ich gehe nach vorne. Einer der Busbegleiter sieht sich die Sache an. Er öffnet die Dachluke, der Rauch zieht ab, wir fahren weiter.

In Kratie angekommen! Die Individualisten fahren geschlossen weiter. Ist auch klar, hier gibt's keine angesagten Bars, keine Walkingstreet, keine Banana Pancakes, kein Eimersaufen. Mir reicht's für heute! 250 Kilometer in elf Stunden in fünf verschiedenen Verkehrsmitteln. Was wurde mir erklärt: „Der Bootsverkehr auf dem Mekong wurde eingestellt, seit es auf der Straße viel effizienter ist.“ Ha, ha! Auf dem Fluss fahr ich das in der Zeit zwei Mal.

 

Die Reise geht weiter. Durch Cambodia.