I stopped eating for a while, 
because I buy me a car. 

Zwei Anfänger auf ihrem Weg durch das Reich der Mitte

 

 

Dinge zu planen liegt beim Menschen.
Dinge zu vollenden liegt beim Himmel.

Chinesisches Sprichwort

 

Vorwort

Die Reise von New Orleans nach Chicago auf den Spuren der amerikanischen Musikgeschichte war bereits bis ins Detail geplant. Dann hat sich unser Reisetermin von Juni auf August geändert und die Flugpreise in die USA waren plötzlich um einiges höher. Also bedienten wir uns aus unserem reichen Schatz an anderen Reiseplänen. Und zwar mit dem einleuchtenden Argument: Wenn ich schon in ein Land reise, das seine Bürger nahezu lückenlos überwacht und ein recht lockeres Verhältnis zu den Menschenrechten hat, dann muss es ja nicht unbedingt Amerika sein. Auf nach China!

Wir sind durchaus erfahrene Asien-Reisende und was in Myanmar oder Vietnam problemlos klappt, das schaffen wir in China auch. Diese großen Ansprüche an uns selbst hatten wir für unsere erste Reise durch das Land der Mitte. Wir wollten möglichst wenig vorplanen, flexibel bleiben, den Reiseverlauf spontan vor Ort entscheiden und Hotels und Transportmittel kurzfristig buchen. Im Alltag sind wir doch ohnedies oft fremdbestimmt und unsere Freiheit und  Flexibilität beschränkt sich darauf, bestimmen zu können, ob wir lieber um 7 Uhr oder um 8 Uhr im Büro erscheinen „wollen“.

Noch kurz vor Reiseantritt wünschte mir ein Bekannter: „Möge der Kulturschock nicht all zu groß werden!“ und ich dachte „Der Kulturschock ist es doch, der uns reisen lässt! Schockiert uns, verwirrt uns! China, wir kommen!“

Nach dem klugen Spruch auf der vorigen Seite und dem Beginn dieses  Vorwortes ahnt es der China-Erfahrene vielleicht schon: Dieser Reisebericht handelt nicht nur vom Entdecken landschaftlicher Schönheit, spektakulärer Baukunst und der Begegnung mit einer fremden, rätselhaften Kultur, sondern auch vom Scheitern.

Gelegenheiten dazu gab es reichlich und oft bestimmten nicht Lust und Laune den Reiseverlauf, sondern unsere Flexibilität bestand oft bloß darin, uns den geänderten Umständen anzupassen. Manchmal fühlten wir uns hilflos wie in einem Kaufhaus verloren gegangene Kleinkinder. Der Vergleich hinkt ein wenig, denn körperlich waren wir ja die Großen und konnten meist über die unzähligen chinesischen Köpfe hinwegblicken. Aber verstehen konnten wir sie nicht.  Weder ihre Kommunikation, noch ihre Handlungen erschlossen sich uns. Dieser Umstand schränkt auch die Selbstbestimmtheit ein, denn wählen kann man nur, was auch verstanden wird.

An dieser Stelle noch eine Anmerkung:  Ich selbst würde  einen Reisebericht, wie den hier vorliegenden, niemals lesen. Da könnte ja ein jeder kommen, und mir Lesestoff unterjubeln, und schließlich gibt es reichlich Reiseliteratur von echten Profis, also überdurchschnittlich klugen Menschen, die außergewöhnliche Reisen machen und auch exzellent formulieren können.  Und das sind schon drei Eigenschaften, die ich mir nicht auf die Fahnen schreibe.

Wer gegenüber schreibwütigen Amateuren weniger Ressentiments hat als ich selbst, und den vorliegenden Reisebericht trotzdem lesen möchte, dem verspreche ich, mein Bestes getan zu haben, um die folgenden Seiten unterhaltsam und spannend zu gestalten und wünsche viel Vergnügen.

Wer den Bericht liest, weil er kurz vor seiner ersten Chinareise steht, dem wünsche ich zusätzlich, er möge ein paar hilfreiche Aufschlüsse erlangen. Kleine Aufschlüsse versteht sich, die ihm einerseits die Reise durch China erleichtern und ihn andererseits nicht das kolossal hilfreiche Erlebnis des Scheiterns nehmen. Denn durchs Scheitern wachsen wir bekanntlich mehr als durch unsere Erfolge.

„I stopped eating for a while, because I buy me a car“.

Nein, da hat sich niemand auf Diät gesetzt, um auf einen fahrbaren Untersatz zu sparen. Die Frage stellt uns eine junge Hotelangestellte, ich lese sie vom Display ihres Smartphones ab. Die Übersetzung aus dem Chinesischen erledigte Baido, die chinesische Alternative zu Google. Je kürzer die Sätze, die man Baido vorlegt, desto wahrscheinlicher ist eine sinnvolle Aussage. Sie versucht es nochmal. Ich lese: „Buy eat before car?“.

Na bitte, klappt doch. Sie möchte wissen, ob wir noch etwas Proviant kaufen wollen, bevor der Bus  kommt, der uns nach Shangri-La und zum Meili Snow Mountain bringen wird. Uns und etwa 20 Chinesen. Wer bucht so etwas? Wer schreibt sich zuerst auf seine Fahnen, er wolle drei Wochen individuell und ohne etwas im voraus zu buchen durch China reisen, um sich dann bereits nach wenigen Tagen einer Gruppe – wahrscheinlich recht schriller, und aus unserer Sicht verhaltensauffälliger - chinesischer Touristen auszuliefern? Wer läuft freiwillig in der Herde einem bunten Fähnchen nach und empfängt dabei Erläuterungen aus einem Megaphon? Wir machen das! Nach einigen Rückschlägen, die uns vor Augen geführt haben, dass alles doch nicht so einfach ist, wie wir uns das im warmen Wohnzimmer zurechtgelegt hatten - zumindest wenn man kein Chinesisch spricht und bloß drei Wochen Zeit zur Verfügung hat.

Aber gehen wir zum Anfang der Reise, wo ich sonst gerne über die kleinen Unzulänglichkeiten am Flughafen Wien erzähle. Diesmal lasse ich das sein. Erwähnen möchte ich nur kurz, dass die Business Lounge großer Mist ist. Nein, wir fliegen nicht Business Class, wir haben uns lediglich zum Sommer-Schnäppchenpreis von 17 Euro pro Person dort eingekauft. Drinnen ist es heiß, es gibt zumindest nachmittags außer einer versalzenen Suppe nichts zu essen und rauchen darf man auch nicht.

Mein Wohlstandsgejammere verstummt knapp 11 Stunden später, als mein Gepäck am Flughafen Beijing nicht am Band ist. Was war passiert? In Wien haben wir gefragt, ob wir das Gepäck bis Lijiang durchchecken können. Der AUA-Mitarbeiter guckt in seinen Computer und meint dann: „Ja, das geht aber…“ (er liest vom Bildschirm) „…passengers have to pickup their luggage in Beijing and proceed to the customs“. Also das ist ja mal originell! Das Gepäck kann durchgecheckt (!) werden, man muss es allerdings am Umsteigeflughafen selbst vom Band nehmen, durch den Zoll gehen und es wieder einchecken. Während ich noch über die Bedeutung des Wortes „durchchecken“ nachdenke, ist das Gepäck schon im Schlund des Flughafens verschwunden.

In Beijing warten wir über 4 Stunden auf die Ansage, ob unser Flug nach Lijiang wetterbedingt bloß verspätet los geht oder komplett gestrichen wird. Zeit genug, um darüber nachzudenken, was alles in dem fehlenden Gepäckstück ist: Funktionskleidung, ein Fotostativ, Bücher, Medikamente, feuchtes Klopapier. Pah! Ist doch lauter Wohlstandszeugs für verweichlichte Europäer, das mir bei näherer Betrachtung wohl nicht wirklich abgehen wird.

Dann kommt dann endlich die Ansage, dass wir boarden können. Als wir im Flieger sitzen, wird der Regen wieder dichter, wir erhalten keine Starterlaubnis. Nach einer guten Stunde denkt sich die Crew „Lasst uns doch mal was essen!“ und beginnt mit dem Boardservice. Es gibt die weltweiten Bordküchendauerbrenner „Chicken with rice“ und „Beef with rice“. Just in dem Moment, kommt die Starterlaubnis. Die Flugbegleiter verstauen den Essenswagen und wir rollen zur Startbahn. Dann geht es schnell. Ein Stewart demonstriert, dass Chinesen zu körperlicher Nähe eine ganz andere Einstellung haben als unsereiner. Er nimmt notdürftig auf dem Schoß eines Passagiers Platz (sic!) und schon tauchen wir in den verregneten Pekinger Abendhimmel. Belustigt nehme ich einen Schluck Grüntee aus meinem Plastikbecher.

Der Stinkefinger des Schicksals

Mit über fünf Stunden Verspätung kommen wir am Flughafen in Lijiang an. Auch dort keine Spur von meinem Gepäck. Mann und Frau von Welt gehen zum Taxi und haben selbstverständlich einen Zettel mit der Hotelanschrift in chinesischen Lettern griffbereit. Wir haben Glück und treffen auf einen Taxifahrer, der drei Wörter englisch kann. Leider handelt es sich dabei um „No!“ „Nono!“ und „Nonono!“. Er will uns nicht befördern. Na vielleicht macht er ja grad Pause. Die ist allerdings schnell beendet, nur wenige Minuten später braust er mit einem chinesischen Fahrgast davon.

Wir steigen in einen Bus, der uns am Rande der Altstadt aussetzt. Dort suchen wir umgehend Schutz vor dem starken Regen und finden uns unter dem Schirm eines Obststandes wieder. Sofort bemerke ich den unverkennbaren Geruch, diese geniale olfaktorische Komposition aus Käse, nassem Wasserbüffel und „Wo bin da wieder reingestiegen?“ Das Schicksal zeigt uns heute sehr deutlich seinen Stinkefinger und es zeigt damit ohne Zweifel direkt auf mich: „Ja, genau Dich mein ich, der Du das ganze Jahr in Reiseforen mit dem „No Durians“-Schild als Avatarbildchen den Schlauberger raushängen lässt.“

Wir halten ein Taxi an. Mit unseren letzten 10 Yuan lassen wir uns zum Hotel fahren, oder besser gesagt in die Nähe, denn im Gewirr der Altstadt sind Taxis nicht erlaubt. Sie hätten in den engen Gassen auch keine Chance. Jetzt beginnt die Hotelsuche. Die wird nicht nur durch den starken Regen erschwert, der Stinkefinger erhöht den Schwierigkeitsgrad, indem er den Lichtschalter drückt. Wie wir später erfahren werden, sind wir Zeitzeugen des ersten (!) Stromausfalls in diesem Jahr. Wir irren durch die dunklen, nassen Häuserschluchten, fragen sechs oder sieben mal und finden letztlich in einem kleinen Lokal jemanden, der für uns in unserem Hotel anruft und uns holen lässt.

Ein bisschen kommt man sich da schon wie hilflose, unbedarfte Kinder vor, die in einer Shoppingmall verloren gegangen sind: „Die kleine Claudia und der kleine Christian haben sich verlaufen. Sie können an der Information abgeholt werden.“  

Dr. Lee

Nass und müde kommen wir gegen Mitternacht in unserem Guesthouse an, wo niemand englisch spricht. Man gibt uns zu verstehen, wir sollen auf Dr. Lee warten. Der schläft zwar schon, hat aber gesagt, man könne ihn ruhig wecken, wenn wir da sind. Dr. Lee ist nicht der Nachtportier unserer Unterkunft sondern Chirurg aus Shanghai und genau wie wir als Urlauber in Lijiang. Nun sitzen wir im Wohnzimmer der Familie auf dem Sofa und plaudern mit der Gastfamilie und Dr. Lee. Als wir ihm erzählen, dass wir noch nichts gegessen haben, werden für uns Cup-Noodles und Bier organisiert. Außerdem berät er uns beim Organisieren unserer Weiterreise und leistet uns bis 1 Uhr früh Gesellschaft. Dann fallen wir erschöpft ins Bett.

Am nächsten Morgen wollen wir zuerst unsere Bargeldvorräte auffüllen. Wir suchen also einen Geldautomaten oder zumindest die Möglichkeit, ein paar Euro in Landeswährung zu wechseln. Ein Mittelklassehotel an einer Hauptstraße scheint uns dafür am besten geeignet. An der Wand hinter der Rezeption hängen die Wechselkurse. Ich halte der Rezeptionistin unsere Euros entgegen.  „Change?“  Die Antwort ist das uns mittlerweile bekannte : „Nonono!“  Ich glaube, in dem Fall  bedeutet es:  Huch, zwei Langnasen, die etwas wollen. Mit euch kann ich nicht reden, und wenn dann was schief geht…  Nein, lieber nicht! Geht doch wo anders hin. „Bank of China?“ , erkundige ich mich entwas unbeholfen. „Nono!“, lautet die Antwort. Wir verlassen den Ort der Gastlichkeit, und erspähen drei Häuser weiter eine große Filiale der Bank of China. Wir ziehen Geld aus dem ATM. Problem gelöst – bis auf weiteres.

In der Altstadt von Lijiang verlaufen wir uns augenblicklich. Das ist aber nicht weiter störend, wir haben ja kein festes Ziel und lassen uns einfach treiben. Einiges erinnert  an die Salzburger Getreidegasse. Die Enge, der Besucherandrang, die unzähligen Läden mit Souvenirs aller Art. Erst wenn man sich von den Hauptrennstrecken der Tourgruppen etwas entfernt, erschließt sich die Schönheit dieses Ortes.

Lijiang war einst Hauptstadt des Naxi-Königreichs und fungierte als Handelszentrum zwischen Yunnan und Tibet. Der frühere Wohlstand und die Bedeutung lassen sich auch heute noch gut erkennen. Dicht gedrängt schmiegen sich die Hofhäuser mit ihren kühn geschwungenen  Ziegeldächern und  Balkonen und Fensterläden aus rötlich schimmerndem Holz aneinander. Dazwischen Kopfsteinpflaster, jahrhunderte alte Steinbrücken, die Wasserläufe des alten Bewässerungssystems, die das Städtchen wie feine Adern durchziehen. Vom Löwenhügel mit der Pagode Wangu Lou verstärkt sich der Eindruck dieser Enge noch. Wir blicken auf ein Meer aus grauen Ziegeldächern. Würde man aus noch größerer Entfernung auf Lijiang blicken, man würde es nur als einheitlich graue Fläche erkennen. Die Chinesen nennen Lijiang deshalb Dayan, das bedeutet Tuschestein.

Abends wollen wir dann noch unsere Fahrt nach Shangri-La fixieren. Wir haben beschlossen, eine geführte Gruppentour zu machen. Schließlich haben wir gesehen, dass man ohne Sprachkenntnisse recht häufig abgewiesen wird. Unsere Reiseplanung ist zu knapp. Wir wollen nicht riskieren, wegen Missverständnissen, Kommunikationsdefiziten oder einem knappen „Nonono!“ irgendwo hängen zu bleiben. Einmal möchte ich ohne Zeitdruck durch Asien reisen!

Vier Tage lang soll es nach Shangri-La und noch weiter in den Norden Yunnans bis zum Meili Snow Mountain im Nationalpark der „drei parallel verlaufenden Flüsse“ an der tibetischen Grenze gehen. Dorthin also, wo die Berge fast 7.000 Meter gen Himmel ragen und wo der Salween, der Yangtze und der Mekong durch steile Schluchten tosen, ehe sie völlig unterschiedliche Richtungen einschlagen. Der Salween fließt nach Myanmar und mündet in die Andamanensee, der Yangtze wird zum größten Strom Asiens und teilt auf seinem seinen über 6000 Kilometern China in einen Süd- und Nordteil und der Mekong ist die Lebensader vieler Millionen Menschen in sechs Staaten Südostasiens. Nicht nur diese magische Gegend an der Grenze zu Tibet lockt, auch dass wir uns vier Tage lang um nichts zu kümmern brauchen, ist ein verführerisches Argument.

Die Tour kostet zwar Geld aber wir wissen genau, wo wir das kriegen, nämlich vom Automaten in der Bank of China. Nur leider meldet der ATM ein lakonisches „Your transaction was cancelled by your bank“ . Ein Anruf bei der Kreditkartenfirma ergibt, dass das Tageslimit erschöpft ist. Diesen Umstand muss ich zuerst Dr. Lee erklären, der übersetzt der Reisebüro-Angestellten. Aber das Reisebüro hat eine andere Filiale, und die akzeptiert Kreditkartenzahlungen. Angeblich! Wir latschen im Regen dort hin. Vergeblich wird versucht, die Transaktion durchzuführen. Es liegt wohl an fehlender Übung im Gebrauch des Kartenlesegeräts, denn ich komme nicht einmal dazu, meinen Code einzugeben. Doch, ein einziges Mal, doch da vertippe ich mich und keiner weiß, wie man die Eingabe rückgängig machen kann.

Letzter Ausweg: Wir geben eine Anzahlung und ich verspreche, morgen früh zum ATM zu gehen und den Restbetrag abzuheben. Durchnässt kehren wir zum Hotel zurück Dr. Lee und der Hausherr sind gerade mitten in einer Teeverkostung. Wir werden zur Teilnahme eingeladen. Die beiden zelebrieren die Zubereitung des Aufgussgetränks und unterhalten sich angeregt über ihre Gaumenfreuden. Wir haben Mühe, große Unterschiede der einzelnen Sorten zu erkennen. Na gut, das teure Zeug ist tatsächlich sehr weich auf der Zunge und hat einen – ja, ich kann’s nicht anders sagen – langen Abgang. Die Sprache der Teekenner ähnelt sehr jener der Weinexperten. Ich fürchte um meinen Schlaf, immerhin hat Grüntee einen ordentlichen Koffeingehalt.

Für ein entspanntes Abendessen ist wieder mal keine Zeit, wieder waren wir den halben Tag damit beschäftigt, uns selbst zu organisieren. Aber wir können ja unmöglich die Einladung ablehnen. Wir versuchen es mit einem Trick: Wir möchten nur kurz etwas einkaufen. Eine Hotelangestellte begleitet uns. Vielleicht damit wir uns nicht wieder verlaufen. Dabei ist doch der verdammte Laden bloß ein mal um die Ecke.

Einschlafen kann ich dann tatsächlich nur sehr schlecht. Ich beginne zu rechnen: Ob die Geldbeschaffung  morgen früh funktionieren wird, liegt nämlich auch an der Auslegung der Kreditkartenfirma. Die erste Abhebung war morgens um 10 Uhr, da war’s in Österreich 2 Uhr früh. Wenn ich also morgens um 6 Uhr abhebe, ist es zu Hause erst 22 Uhr vom Vortag.  Mit diesen Gedanken schlafe ich dann ein.

Treffpunkt Schlucht

Morgens um ½ 7 Uhr latsche ich wieder den mittlerweile bekannten Weg zur Bank und behebe völlig problemlos das nötige Geld. Zwei Stunden später sitzen wir bereits im Bus und fahren gen Norden.

Es ist zu unserer Überraschung ein Kleinbus. Außer uns sind zwei Paare – eigentlich eine Familie mit Tochter und Schwiegersohn – mit an Bord. Ruhige, nette und kultivierte Leute. Keine schrille Reisegruppe, kein Fähnchen zum Hinterherlaufen, kein Megaphon.

Dieses Schauspiel bekommen wir dann bei unserem ersten Halt am Parkplatz zum Eingang der Tigersprungschlucht zu sehen, wo unzählige Reisebusse ebensolche Besichtigungstrupps ausladen. Mir kommt vor, Chinesen lieben die Gesellschaft anderer Chinesen, das gemeinsame Erlebnis steht im Vordergrund, zu zweit oder gar alleine ist die reizvollste Landschaft nichts Wert. Und was ist schon das Glucksen eines Wildbachs, der Gesang eines Vogels, das Rauschen der Blätter, ohne die Erläuterungen aus einem Megaphon oder zumindest dem Gedudel aus einem umgehängten Kofferradio.

In einem Restaurant am Eingang der Schlucht nehmen wir unser Mittagessen ein. Wir würden gerne bestellen, aber in der Speisekarte gibt es weder für uns lesbare Schriftzeichen noch Bilder. Wir bringen Kellnerin, Fahrer, Mitreisende zum Grübeln: Wie sollen wir den beiden Langnasen ein vernünftiges Mittagessen bestellen? Was essen die denn so? 

Nach einer kurzen, von verlegenem Schweigen beherrschten Zeit fällt den beiden Barbaren aus dem fernen Westen dann doch der Name eines Gerichts ein.  „Mapo Doufu!“ entfährt es ihnen, dabei gucken sie fragend in die Runde. Allgemeine Erleichterung und befreites Gelächter. Denn zum Glück gibt es hier den scharf gewürzten, gebratenen Tofu und alles ist gut.

Danach dürfen wir uns frei in der Schlucht bewegen, soweit ein gepflasterter Weg Freiheit zulässt. Wir gehen ein paar Minuten, dann setzen wir uns auf einen Stein und sehen uns nur die Leute an, die an uns vorüberziehen. Unsere Mitreisenden müssen ja schließlich wieder zurückgehen und kommen deshalb zwangsläufig an uns vorbei. Nach etwa einer Stunde kommen erste Zweifel auf. Vielleicht gibt es ja doch einen anderen Weg zurück, oder – am anderen Ufer geht eine Straße in die Schlucht - es wurde mit der Fahrerin ein Treffpunkt vereinbart, der uns entgangen ist. Unser Gepäck befindet sich im Auto, wir sitzen in der Schlucht auf einem Stein. Nicht auszudenken was passiert, wenn man uns schon wieder suchen müsste. Auf jeden Fall wäre es peinlich, denn mit Sicherheit würde irgendwann Dr. Lee angerufen werden, weil der als Einziger meine Handynummer hat. Ach ja, das Handy ist natürlich auch im Auto.

Wir gehen retour und – alles gut! - finden unser Auto, die Fahrerin macht gerade ein Schläfchen. Es dauert noch eine geschlagene Stunde bis unsere Mitreisenden retour kommen. Offensichtlich war das Gemeinschaftserlebnis in der Schlucht ein besonders schönes.

Atemberaubendes Shangri-La

Nun geht’s endlich Richtung Shangri-La. Die Straße windet sich durch ein immer enger werdendes Flusstal, um letztlich auf einer weiten Hochebene anzukommen. Weideland, tibetische Architektur, Gebetsfahnen, Yaks und Ziegen, alles sieht wirklich sehr vielversprechend und vor allem – deshalb reisen wir schließlich – anders aus.

Shangri-La ist ja eigentlich eine Erfindung des amerikanischen Autors James Hilton. Er beschreibt in seinem Roman „Lost Horizon“ ein Lama-Kloster im Himalaya, dessen Bewohner - hauptsächlich Menschen aus dem westlichen Kulturkreis - dort in einer freiwilligen Weltabkehr leben. Schlaue chinesische Politiker recherchierten und lokalisierten diesen fiktiven Ort. Kurzerhand wurde der Kreis Zhongdian zur Förderung des Tourismus in Shangri-La umbenannt.

Eine etwas romantischere, aber gar nicht so unwahrscheinliche  Erklärung besagt, dass sich James Hilton vom österreichisch-amerikanischen Wissenschafter Joseph Rock inspirieren ließ. Der lebte jahrzehntelang in Yunnan, studierte Flora und Sprachen der Völker dieser Region und schrieb darüber Artikel im National Geographic Magazine.

Wie auch immer. Die Landschaft entschädigt für die lange Fahrt. Als wir in der Stadt ankommen und aus dem Auto steigen bemerken wir sofort die Höhenlage. Da ist tatsächlich viel weniger Sauerstoff in der Luft. Langsam steigen wir die Stufen zum Guishan Kloster hoch und machen mehrmals kurze Pausen. Hier steht die mit 30 Metern Höhe größte Gebetsmühle der Welt, die – wie auf der Internetseite des GEO-Magazin zu lesen ist - durch betende Menschen den ganzen Tag in Bewegung gehalten wird. Welch entzückend romantisierte Verdrehung der Tatsachen! Tatsächlich tummelt sich hier eine Unzahl chinesischer Touristen. Die Szenerie hat Rummelplatzcharakter. Yi – er – san (eins, zwei, drei) und dann müssen alle mit voller Kraft an den Guten ziehen, um die Gebetsmühle zu bewegen. Was für ein Spaß!

Die Tibeter sitzen unten im Park vor dem Kloster und machen auf mich eher den Eindruck, als würden sie warten, bis sich die Tagestouristen endlich verziehen. Manche arbeiten auch als Schausteller, lassen sich mit tibetischen Hunden, einem Yak und sogar einem Adler fotografieren. Und auch hier gibt es wie an allen Sehenswürdigkeiten eine große Auswahl an Kostümen. Jeder darf sich mal als Tibeter fühlen und in einer Tracht fotografieren lassen. Wie es sich wirklich anfühlt, könnten wohl am besten die älteren Leute sagen, die am Rande des Platzes sitzen und Tag für Tag dieses seltsame Schauspiel beobachten. So sieht also die Unterwanderung der tibetischen Kultur aus.

Apropos Kultur! Nächster Programmpunkt ist nicht vielleicht eine heiße Dusche im Hotel. Nein, man hat für uns einen echten Leckerbissen: Eine tibetische Kulturvorführung! Unser Wagen hält und wir werden in ein riesiges nach tibetischem Vorbild errichtetes palastartiges Restaurant geführt. Als Willkommensgruß erhält jeder einen weißen Schal. Dann geht es in das Gebäude, wo sich auf drei Seiten in mehreren Reihen niedrige Tische und Bänke gruppieren. Die vierte Seite ist für die Akteure reserviert. Wir erhalten unseren ersten tibetischen Buttertee und hoffen inständig, es möge unser letzter sein. Danach beginnt die Vorstellung. Über die Authentizität der Tänze, Gesänge und Kulinarik kann ich nichts sagen. Aber die Lautstärke der musikalischen Darbietung ist beachtlich und das chinesische Publikum ist begeistert, es wird geklatscht und voller Inbrunst gesungen. Ich muss aber zugeben: Das ist tatsächlich eine Veranstaltung, die treffsicher nach dem chinesischem Geschmack ausgerichtet ist: Es ist laut, es gibt fettes Essen und man kann gemeinsam etwas erleben. Ob Ameisen eine besondere Affinität zu lautstarker Beschallung haben, weiß ich nicht, aber sonst drängt sich – bei allem Respekt - der Vergleich zu den eusozialen, staatenbildenden Insekten immer mehr auf.

Endlich fahren wir ins Hotel, das allerdings nicht in der angeblich sehr schönen Altstadt, sondern in einer gesichtslosen aber verkehrsreichen Straße liegt. So viel zur Hotelumgebung,  und „gesichtslos“ soll an dieser Stelle auch genügen, um das Hotel selbst zu beschreiben.

Wie war noch gleich der Name dieses Kapitels? Ach ja! Ich bin seit der Ankunft in Shangri-La ziemlich kurzatmig, was tagsüber kein Problem darstellt. Mehr atmen, langsamer bewegen heißt das Motto. Beim Versuch einzuschlafen verlangsamt sich meine Atemfrequenz jedoch unwillkürlich und – so blöd das auch klingt – mein Körper wird dann anscheindend mit Sauerstoff unterversorgt. Nachdem ich mehrmals im letzten Moment nach Luft hechelnd aufgewacht bin, beschließe ich aus Sicherheitsgründen aufs Schlafen zu verzichten. Ich sitze die ganze Nacht wach, kämpfe gegen das Einschlafen an und in mir wächst ein bitterer Entschluss.

Als es endlich (!) 7 Uhr früh ist, stehe ich auf und mache der Fahrerin klar, dass wir die Tour abbrechen und nach Lijiang zurückfahren wollen. Die Worte „atemlos“ und „schlaflos“ kann ich ihr am Handy mittels Übersetzungsprogramm zeigen. Sie ermutigt mich, ein paar Züge Sauerstoff aus der Spraydose zu nehmen, die wir alle bekommen haben. Das hab ich nachts auch schon versucht, aber ich bin da eher vorsichtig. Die Dose ist nur chinesische beschriftet, Anwendungshinweise also für mich nicht lesbar und unkontrollierte Sauerstoffzufuhr ist medizinisch gesehen auch nicht unbedenklich. Also muss – wieder einmal – Dr. Lee übersetzen. Später, wenn wir zurück in Lijiang sind, werde ich ihm vorschlagen, für Touristen die Hotline ‚Ask Dr. Lee – 10 Yuan per call!‘ zu gründen: und er wird sagen „It’s not the same, if you do it for money, it’s not the same.“.

Wir werden zum Busbahnhof gefahren, erhalten sogar einen Teil des für die Tour bezahlten Geldes retour und verabschieden uns von der Gruppe. Was für eine deprimierende Niederlage, an dieser Stelle umkehren zu müssen! Dabei ginge die Tour hier in Shangri-La  erst richtig los. Die Bergwelt, die tibetisch-buddhistischen Klöster, vielleicht werde ich das alles nie wieder sehen, wenn ich die Höhe nicht vertrage.

Wer suchet...

Der Bus windet sich hinunter nach Lijiang und nach vier Stunden sitzen wir wieder mit Dr. Lee im Guesthouse. So also fühlen sich die Spielfiguren im „Mensch ärgere Dich nicht!“, wenn sie rausgewürfelt werden und es heißt: „Zurück zum Start!“.

Als ich im Bus saß, ist es mir in jeder Kurve besser gegangen.  Zumindest redete ich mir das während der Fahrt ein, um der Aktion einen Sinn zu geben.  „Stay fit!“, mahnt der Doktor. Sehr freundlich von ihm, ein strenges „Get fit!“  würde es wohl eher treffen, bleibt mir aber - wohl dank der Zurückhaltung von Dr. Lee – erspart. Hier hat man kein Zimmer frei und die Bemühungen, in der Nachbarschaft etwas passendes zu finden, schlagen auch fehl. „Lijiang is full!“, erklärt man uns. Kaum vorstellbar, wenn man denkt, dass hier fast jedes Haus ein Beherbergungsbetrieb ist. Wir nehmen die Sache selbst in die Hand. Claudia zückt das Smartphone und bucht uns ein Zimmer in einem schicken Boutiquehotel außerhalb der Altstadt. Wir verabschieden uns von den Leuten im Guesthouse. Dr. Lee begleitet uns noch ein Stück. Wir bedanken uns so überschwänglich wie möglich. Er meint, wir sollen mal in Wien einem Touristen helfen, idealer Weise einem chinesischen,  und „warm hearted“ sein, dann würde sich das alles wieder ausgleichen, denn „we are all connected!“.  Er ersucht uns, ihm zu schreiben, wenn wir wieder heil zu Hause angekommen sind. Dann setzt er uns in ein Taxi, vergewissert sich, dass der Fahrer das Fahrziel verstanden hat, und – Höchststrafe! – bezahlt den beiden Schutzbedürftigen auch noch den Fahrpreis.

Schön ist es, das Boutiquehotel. Lobby im New Asia Style inkl. Loungegedudel und Welcome Drink.  Leider ist unsere Buchung nicht akzeptiert worden. Auch hier ist man voll. Wir nutzen die Infrastruktur des Hotels, das WLAN in der angenehm klimatisierten Lobby und den Drucker im Business Center und buchen ein anderes Hotel.

Ein Taxifahrer bringt uns. Bringt uns hin, würde ich normaler Weise schreiben, aber das wäre arg übertrieben. Die Altstadt ist ja autofrei, also werden wir bloß zu einem der Stadttore gebracht. Wir haben einen Zettel mit Hotelname und Anschrift. Ich mach mich damit auf die Suche, Claudia sitzt mit dem Gepäck in einem Lokal und trinkt Orangensaft. Ich frage mich durch und werde immer weiter ins Labyrinth der engen Gassen geschickt. „Geradeaus und dann rechts!“ , ja gut, aber wie weit geradeaus, und wo rechts. Das Ding muss doch hier irgendwo sein. Eine Blumenfrau ruft sogar für mich im Hotel an und gibt mir weitere Instruktionen. . „Da vorne links und dann immer geradeaus, bis sie es sehen.“ 

In einem Guesthouse hat man ein Einsehen und organisiert eine Begleitung, eine Frau mit einem schweren Korb, den ich ihr natürlich abnehme, soll mir den Weg zeigen. Ich latsche ihr hinterher, links, rechts, links, geradeaus,…. Nach gut zehn Minuten reicht’s mir. Ich laufe jetzt bereits fast eine Stunde durch die Stadt, die Gute weiß wahrscheinlich genau so wenig wie ich, wo das Hotel ist. Ich drücke ihr den Korb in die Hand, mach eine abweisende Handbewegung und laufe in die entgegengesetzte Richtung. In dem Moment spricht mich ein junger Chinese an und drückt mir eine Visitenkarte vom Hotel, von unserem gesuchten Hotel, in die Hand. Offensichtlich haben die mich auch schon gesucht. Nach weiteren fünf Minuten Gehzeit gehen wir endlich in ein Haus, das zumindest für mich nicht als Hotel erkennbar ist und stehen in einer vielversprechenden Lobby.

Freudig erlöst mache ich mich gemeinsam mit einem Hotelangestellten, der sich ums Gepäck kümmern will, auf den Weg zu Claudia und Gepäck. Ein Stückchen geradeaus, ein paar Mal links, ein paar Mal rechts und nach etwa fünf Minuten Gehzeit stehen wir wieder vor dem Hotel. Die Erleichterung weicht augenblicklich purer Verzweiflung: Wo sitzt Claudia? Wie soll ich sie jemals wieder finden.

Wir  holen einen Stadtplan aus dem Hotel. Ein Angestellter hilft. Ich zeige auf die Stelle, wo ich Claudia vermute. Ein anderer Angestellter wird motiviert, mich zu begleiten. Einen hab ich schon verbraucht, der verzichtet dankend, noch einmal mit mir durch die Stadt zu irren. Tatsächlich finden wir nach einer guten Viertelstunde das Café und insgesamt kaum zwei Stunden nachdem ich alleine losgelaufen bin, kommen wir beide im Hotel an. Schick ist es hier und  noch dazu erhalten wir ungefragt ein Upgrade in den Honeymoon-Room, ein riesiges, modern eingerichtetes Zimmer mit Vorraum, Flat-TV, freistehender Badewanne und Blick über die Dächer von Lijiang. Wir beschließen spontan, hier zwei Nächte zu bleiben.

Erwähnen möchte ich noch, dass wir später bemerken, dass sich nur etwa 50 Meter von unserem Hotel entfernt, ein Tor befindet. Der Taxifahrer hat uns falsch abgesetzt und wir sind ein Mal quer durch die Innenstadt gelaufen.

Es gibt auch gute Tage

Nach anfänglicher Panik, im Schlaf zu ersticken, kann ich mit mehreren Unterbrechungen doch ein paar Stunden schlafen. Was für ein schönes Gefühl! Man hält es für eine Selbstverständlichkeit, sich abends in die Waagrechte zu begeben, die Augen zu schließen, einzuschlafen und am nächsten Tag wieder aufzuwachen. Erst wenn so etwas einmal nicht klappt, weiß man es zu schätzen und es kommt die Erkenntnis: Gar nichts ist selbstverständlich.  Dafür sind wir beide stark erkältet und die Medikamente aus dem verschollenen Koffer wären jetzt recht praktisch. Aber wir lassen uns durch Husten und eine laufende Nase nicht den Tag versauen. Wir sitzen bei Rührei, Toast, Butter, Marmelade und sehr gutem Kaffee und planen unsere Weiterreise.

Unser Zeitkonto weist durch den Abbruch der 4-tägigen Tour mit einem Mal ein plus auf. Wohin also? Zum Lugu Lake und dort weiter nach Chengdu, das trauen wir uns nicht. Lugu Lake liegt auf 2.700 Metern,  und damit ein Stückchen höher als Lijiang. Ich hab immer noch das Gefühl, ich muss runter in moderatere Tallagen. Außerdem wollen wir ja noch zum Erhai Lake, also verschieben wir die Reiseplanung, fahren mit dem Taxi zum Bahnhof und kaufen uns Fahrkarten für den morgigen Zug nach Dali. Anstandslos übrigens, die junge Frau am Schalter spricht englisch.

Das macht Mut. Wir fahren mit dem Taxi nach Shuhe, einer kleineren, beschaulicheren Ausgabe von Lijiang. Dass man auch hier nicht alleine ist, realisiert man schon am Busparkplatz am Rande der Altstadt. Auch durch Shuhe ziehen mittlerweile scharenweise Touristen. Aber es fällt hier doch etwas leichter, sich das Leben auf der Teeroute zwischen Yunnan und Tibet in früheren Zeiten vorzustellen.

Die Sonne lacht und aus Mut wird Übermut. Wieder organisieren wir ein Taxi und fahren noch ein Stückchen weiter aufs Land. Das Ziel passt zur Stimmung, der Ort heißt Yuhu. Der Fahrer glaubt, wir wollen in dem kleinen Bergdorf am Fuß des Jadedrachenschneeberges reiten und bringt uns zu einer Pferdestation. Wir wollen jedoch das Haus eines Landsmanns besuchen. Der Biologe Joseph Francis Rock hat hier jahrzehntelang gelebt und nicht nur die Gebirgsflora erforscht sondern auch die Sprachen der hier ansässigen Minoritäten studiert.

Der Taxifahrer hat von Joseph Rock noch nie gehört. Wir finden dann aber doch recht rasch jemanden, der uns den Weg zeigt. „Hier entlang und dann links!“  Ja, die Auskunft kenn ich. Der Weg führt steil nach oben. Ein Pferd wäre jetzt vielleicht doch nicht so schlecht. Wir wissen natürlich nicht, wann wir links gehen müssen und gehen prompt zu weit. Am Ortsausgang breitet sich eine schöne Gebirgslandschaft vor uns aus. Irgendwie sieht es hier aus wie in Tirol oder Oberkärnten, wäre da nicht die eine oder andere Pagode auf einer Anhöhe. Wir gehen zurück und finden das Haus, stehen allerdings vor verschlossenen Türen.

Am Parkplatz des Dorfes, der sicher für die Reitwilligen angelegt wurde, und nicht für die Bewunderer des Herrn Rock, trinken wir einen Saft und überlegen, wie wir wieder nach Lijiang zurück kommen, denn der Fahrer, der uns hierher gebracht hat, ist mittlerweile über alle Berge und wir sind in einem Dorf, 15 km außerhalb von Lijiang. Haben wir wieder mal die Arschkarte gezogen?

Nein, denn die Wirtin in dem Café spricht perfekt englisch, und ihr „Uncle“ weiß,  wo man den Schlüssel für das Rock-Haus bekommt. Und sie bietet uns an, dass wir später, wenn sie den Laden dicht macht, mit ihr im Auto zurück nach Lijiang fahren dürfen. Also laufen wir bereits kurze Zeit später wieder den Berg hoch, schlendern durch ein schönes ummauertes Anwesen mit einem Brunnen im Innenhof und bestaunen Fotos und 80 Jahre alte Ausgaben des National Geographic Magazine.

An einem Altstadttor Lijiangs werden wir abgesetzt, gehen in ein schickes Restaurant, wo wir direkt an einem Wasserlauf sitzen und feiern den ersten pannenfreien Tag in China bei Fisch in Chiliöl, frittiertem Spinat und Reis.

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