Im Softsleeper in den Norden

Ein mobiler Dessousladen in der Hanoier Altstadt.

Softsleeper heißt das Zauberwort! Ist ja gleich ganz was anderes. Mehr Platz für's Gepäck, nur zwei weitere Mitreisende im Abteil, Licht gut regelbar und man kann aufrecht im Bett sitzen. Insgesamt eine erfreuliche Erfahrung, die Zeit verging großteils (wie) im Schlaf.


Wir sind gerade von einem Spaziergang durch die Hanoier Altstadtgassen zurück. Die ursprünglich 36 engen, baumbestandenen Gassen und Gässchen sind jeweils einer Handwerkszunft gewidmet. Es gibt die Bambusgasse, die Zwiebelgasse, die Reisnudelgasse, die Keramikgasse,...  Großteils kann man die jeweilige Widmung auch noch heute erkennen. Nur in der Hang Ga, der Hühnergasse, haben wir außer einem Chickenwings-Fastfoodlokal nichts entsprechendes gesehen.


Jetzt machen wir uns stadtfein und gehen (eher fahren) ins Quan An Ngon. Den Hanoier Ableger des genialen Saigoner Restaurants kennen wir beide noch nicht.

Aber vorher ist noch umpacken angesagt. Wir wollen die Nordtour mit nur einem großen Gepäckstück angehen und den Rest im Hotel lassen, wo wir nach 8 Tagen wieder zurückkehren.


Apropos Hotel: Das Hanoi Elegance Diamond (!) ist sehr, sehr schön, liegt äußerst zentral und wir wurden professionell und sehr freundlich empfangen. Eine Wohltat nach dem Schludriwudri-Möchtegern-Vierstern-Betonbunker in Hue. Und wenn man dann noch eine Suite im 10. Stock mit Blick auf den Hoan Kiem See beziehen darf, ist das natürlich genial. Ob da wohl unser Tourorganisator Jürgen (www.aea.vn) seine Hände im Spiel hatte?!

Halong Bay

Hang Sung Sot Höhle - Halong Bay

Gestern wurden wir pünktlich um 8:30 Uhr im Hotel abgeholt und in die Halong Bucht gefahren. Phoenix Cruisers können wir wirklich empfehlen. Hat alles perfekt geklappt, die Mannschaft an Bord vom Kellner bis zum Kapitän ist freundlich und hilfsbereit, das Essen an Bord ist sehr gut und die Kabinen sind komfortabel und schön.


An Aktivitäten gab es den üblichen Besuch in der sehr schön beleuchteten Hang Sung Sot Höhle, den Strand auf Titop Island, abends (ohne Zwang) fischen oder Karaoke und am nächsten Morgen Kajak fahren und Frühlingsrollen bauen. Das hört sich alles stressiger an als es ist, man muss nirgends mitmachen. Das schönste ist sowieso an Deck zu sitzen und die Karstkegel vorbei ziehen zu lassen.


Seit mittags sind wir in der Viethouse Lodge, eine wunderbare, kleine Anlage auf Tuan Chau Island, terrassenförmig angelegt und mit herrlichen Blicken über die Halong Bay.


Morgen früh werden wir von Jürgen & Khoi abgeholt und machen eine 5-tägige Tour, aber nicht nach Sa Pa, wie fast alle, sondern in den Nordosten Vietnams, bis hoch zur chinesischen Grenze. Sollten wir ein vernünftiges WLAN haben, melden wir uns von unterwegs. Falls nicht, dann erst aus Hai Duong.

Halong Bay

Halong - Lang Son - Cao Bang

Nach einer langen und anstrengenden Fahrt sind wir in Cao Bang im recht neuen Hoa Viet Hotel angekommen. Teilweise waren die Straßen hervorragend, da kam richtig Lust zum Motorradfahren auf, schlag(loch)artig werden sie jedoch dann wieder zu rötlichen Matschpisten.


Das Wetter war heute bescheiden, es hat fast durchgehend geregnet. Morgen sollte es dann lt. Wetterbericht viel besser werden Die Landschaft ist großartig und wir würden gerne ein paar richtig gute Fotos machen.

Landschaft bei Lang Son / Restaurant in Cao Bang

Fahrt zum Ban Gioc Wasserfall

Heute fuhren wir bei bestem Wetter durch eine Bilderbuchlandschaft. Die Fahrt war anstrengend, nicht nur für unseren Fahrer, auch uns hat es teilweise ordentlich durchgeschüttelt. Teilweise waren die Straßen wieder sehr gut, dann plötzlich Schotterpiste mit riesigen Schlaglöchern, als hätt's dort nie eine Straße gegeben. Für die letzten 40 km bis zum Wasserfall haben wir 2 Stunden gebraucht.

Aber die Fahrt hat sich gelohnt. Unterwegs machten wir Halt in einem Schmiedsdorf. Das eigentliche Ziel, der Wasserfall Ban Gioc, ist wirklich außergewöhnlich schön. Nur ein Drittel liegt in Vietnam, der andere Teil bereits in China. Ich hab sogar ein Willkommens-SMS von T-Mobile China bekommen.

Heute mittags gab's wieder Fried Noodles, diesmal mit Wasserbüffelfleisch. War zwar lecker, aber das Abendessen haben wir dann verweigert. Zwei Tage noch Fried Noodles, dann gibt's eine Pizza bei Jürgen.

Im Schmiededorf packen alle mit an. Von früh bis spät wird gehämmert und Ruhetage gibt's nur an den Tagen, wo die Messer und Erntewerkzeuge auf den lokalen Märkten verkauft werden.

Bilderbuchlandschaft am Wasserfall Ban Gioc

Ba Be Lake

Ein Dorf am Ba Bể Lake, oder genauer gesagt an einem der drei Seen, denn "Ba" heißt drei.

Heute sind wir nur etwa 140 km von Cao Bang in die Provinz Bắc Kạn gefahren, wo sich der Ba Be Nationalpark befindet. Die Landschaft hier ist bergig, aber für uns nicht so spektakulär wie gestern. Wenn man sich Reisfelder, Bambus und Bananenplantagen wegdenkt, sieht alles ein bissl nach Kärnten aus.


Etwa 3 Stunden sind wir auf einem Boot über einen Fluss und den See gefahren, jetzt befinden wir uns in einem staatlichen Hotel/Gästehaus im Nationalpark. Das WLAN ist hier schneller als irgendwo anders in Vietnam. Die Zimmer sind .... für eine Nacht ok. Morgen fahren wir noch ca. 250 km bis Hai Duong, das sich in etwa wie Hai Ssssng spricht.

Ein "walkingstick". Die Tiere halten sich nur in bestimmten Bäumen und Sträuchern auf, deren Zweige ihnen zum Verwechseln ähnlich sehen.

Fahrt von Ba Be nach Hai Duong

Eine Teebäurin mit Stammhalter in ihrem gar nicht mal so kleinen Reich.

Wir sind wieder zurück in der Ebene. Hai Duong liegt zwischen Hanoi und Halong Bay und hier ist es sommerlich heiß. Wir haben uns vorhin in Jürgens Restaurant mit Pizza, Tiramisu und Cappu gestärkt und vor allem mit eiskaltem Tiger Beer vom Fass. Alles wirklich vom Feinsten. War schön, nach über 3 Jahren Ha und Jürgen wieder zu sehen.


Auf dem Weg nach Hai Duong haben wir noch im Teeanbaugebiet von Thai Nguyen eine Familie von Teebauern besucht. War sehr interessant, zu sehen und erklärt zu bekommen, wie Teeanbau und Fertigung hier gemacht wird. Anders als z.B. im Darjeeling oder Sri Lanka liefern die Pflückerinnen nicht die Teeblätter in einer Fabrik ab, sondern bestellen ihr eigenes Land und produzieren auch den Tee selbst.


Morgen gehen wir mit Ha und Jürgen auf den Markt und dann erkunden wir Hai Duong und Umgebung. Zuvor heißt aber erst einmal: Ausschlafen!!! Und dann gibt's Frühstück mit Brot, Salami und Schinken im "Italia".

Hai Duong

Straßenszene in Hai Duong. Hier wird gerade die Ware auf ihre Kochtopftauglichkeit geprüft.

...ist eine industriell geprägte Stadt, hat aber durchaus Charme. Es gibt einen schönen See und einen sehr lebendige Markt.

Für mich war es verblüffend, dass nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt das pure Landleben beginnt. Wir waren in einem kleinen Dorf, wo viele Verwandte von Ha leben, waren am Dorffriedhof, haben bei der Feldarbeit zugesehen und mit Ha's Onkel Schnaps getrunken (Schlange, Eidechse, Biene, Seepferdchen).

Und auch kulturelle Sehenswürdigkeiten gibt es jede Menge. Zum Beispiel Van Mieu, die zweitälteste Universität Vietnams (nach dem Literaturtempel in Hanoi) oder die Pagoden von Con Son. Alleine in Con Son könnte man sich einen ganzen Tag aufhalten. Die Gegend lädt zum Wandern ein und liegt im touristischen Dornröschenschlaf.


Fazit: Hai Duong ist eine unverfälschte vietnamesische Provinz. und gerade das macht es interessant. 

Wir wären gerne noch ein paar Tage geblieben und mit dem Motorbike auf Entdeckungstour gegangen.

 


 

 

Das Haus mit der Tricolore-Fassade ist das Ristorante Italia, das vielleicht beste italienische Restaurant in ganz Vietnam. (www.italia.vn)

Für uns geht es heute um 10:01 Uhr mit der Bimmelbahn zurück nach Hanoi. Also noch einmal Eisenbahn fahren. Einfach besser als Taxi, viel näher am Geschehen.
 

Mehr Fotos zu Hai Duong gibt's in unserem flickr-Album


 

Am Bahnsteig in Hai Duong

Den Weg von Hai Duong nach Hanoi haben wir mit dem Zug zurueckgelegt. Unsere vierte Zugstrecke. Der Zug faehrt um 10 Uhr von Hai Duong weg und ist nach ca. 1:20 Stunden in Hanoi. Holzklasse mit Klimaanlage und Musikshow auf Flatscreens. War sehr unterhaltsam. Jetzt haben wir also soft seat, hard sleeper, soft sleeper und hard seat getestet.

 

Endbahnhof ist uebrigens nicht Ga Hanoi sondern Ga Long Bien, und der ist noch näher an der Innenstadt als der andere. Fuer den Taxifahrer war's zu nah, der wollte gar nicht den Meter einschalten.


Der Reisebericht ist an dieser Stelle eigentlich beendet. Heute abends werden wir noch ein bissl fotografieren und dann in einer der Fressgassen unser letztes vietnamesisches Essen einnehmen.


Morgen frueh geht's dann nach Bangkok, so Air Asia will. Dort haben wir knapp 2 Tage lang ein dicht gedraengtes Programm (Vertigo Skybar, Chinatown, Vinmanhek Teakpalace, Asiatique Nightmarket und das neue Restaurant, das in dem Bangkoker Teakhaus von Autor Tiziano Terzani entstanden ist).


Ein herzliches Dankeschoen! für euer Interesse. Für weitere Informationen stehen wir gerne zur Verfügung, nutzt einfach die Kontaktmöglichkeit auf unserer Webseite.