Einleitung

Morgenstimmung auf dem Weg zum Cai Rang Floating Market

Vier Wochen für Vietnam Zeit zu haben, klingt erst mal komfortabel. Trotzdem hatten wir in der Planungsphase ordentlich zu tun, eine Auswahl an Orten zu treffen, die wir besichtigen wollten, und andere zu streichen. Ich denke, es wurde eine gelungene Mischung aus Neuem und Altbewährtem:

Hanoi > Hai Duong > Ninh Binh > Hue > Hoi An > Can Tho > Chau Doc > Saigon

Mehr wollten wir in die vier Wochen nicht reinquetschen. Das Abhaken von Orten liegt uns nicht. Lieber sind wir ein paar Tage vor Ort um uns in Ruhe umzusehen und Rollerausflüge in die Umgebung zu unternehmen.

 

Hanoi

Hanoi von der Rooftop-Bar des Pan Pacific

Begonnen hat alles mit einem sehr angenehmen Flug mit Thai Airways von Wien nach Bangkok. Die mixen das Gin & Tonic mit Bombay Sapphire und das Curry hat geschmeckt, als ob im Flieger eine Garküche eingebaut wäre. Dazu noch 2er-Reihe im 777. Geschlafen haben wir trotzdem nicht.

Die Zeit in Hanoi nutzen wir gut. Es sind ja nur zwei Tage, da bleibt keine Zeit für Müßiggang. Am ersten Tag - also noch ohne geschlafen zu haben - machen wir so eine Art Standardprogramm (Hoan Kiem See, Literaturtempel, HCM-Mausoleum, die Tempel am Westsee) und die Dachbar des Pan Pacific. Am Abend haben wir eine sehr gute Streetfood-Tour mit einem Studenten. Er zeigt uns Restaurants, an denen wir ohne fachkundiger Begleitung vorbeigelaufen wären. Zum Beispiel gehen wir am Ende eines Textilladens eine Wendeltreppe hoch in den vierten Stock und stehen plötzlich auf einer Dachterrasse mit Blick über den See.

Am zweiten Tag kümmern wir uns intensiv um die Altstadt und die Markthalle. Abends gehen wir ins Restaurant Ray Quan, dss direkt an den ratta-tatta-ratta-tatta Bahngeleisen liegt und schlendern über den Nachtmarkt. Teile der Altstadt sind neuerdings am Wochenende auto- und mopedfrei, das ist sehr angenehm.

Am Hoan Kiem See

Morgensport am Hoan Kiem See

Kathedrale St. Joseph

Gemütlichkeit im Großstadttrubel

Pho Ga (Hühnersuppe)

Hai Duong

Am Ga Long Bien in Hanoi

Wir steigen am kleinen Bahnhof (Ga Long Bien) in den Zug und fahren nach Hai Duong. Die Stadt hat offiziell ca. 350.000 Einwohner und liegt auf halbem Weg zwischen Hanoi und der Halong-Bucht. Die Fahrzeit beträgt 90 Minuten.

Was uns hierher führt, ist das von Jürgen Eichhorn gegründete Blindenheim und mein Patenkind Chuc. Jürgen stellt uns ein Moped zur Verfügung und wir fahren an zwei Tagen 180 Kilometer durch das Umland. Besonders schön sind an diesen beiden Tagen die Begegnungen mit vielen netten Menschen. Wir werden eingeladen, man macht Fotos mit uns, in einer Tempelanlage berät uns eine Studentengruppe, welches chinesische Zeichen wir uns als Kalligraphie anfertigen lassen sollen. Und endlich haben wir auch etwas Zeit um es langsamer angehen zu lassen! Wir können einfach nur dasitzen, trinken Tee, und beobachten, was um uns herum geschieht. Wie ich immer sage: “Zeit ist das neue Geld“.

Hai Duong

Die alte Eisenbahnbrücke in Hai Duong

Räucherstäbchenfabrik

Warten auf die Fähre

Im Literaturtempel Văn Miếu Mao Điền

Ninh Binh

Die "500 steps" sind eigentlich nur 450. Der Ausblick auf Tam Coc ist überragend!

Ein Fahrer bringt uns in die Trockene Halong Bucht. "Trocken" bezieht sich darauf, dass hier die Karstkegel nicht im Wasser stehen sondern in den Reisfeldern. Quartier beziehen wir in der Nähe von Ninh Binh, ganz untypisch für uns in einem Homestay. Das “Dragonboat Rock Resort“ wird von der Deutschen Sabine Hartwig und einer Vietnamesin geführt und hat nur eine Handvoll Zimmer. Abends wird gekocht und gemeinsam an einem großen Tisch gegessen. Sabine hat unendlich viele Tipps auf Lager, organisiert Taxi oder Minivans und ist ein interessanter Gesprächspartner.

Volle fünf Tage bleiben wir in Ninh Binh. Tagsüber erkunden wir die Gegend, besuchen Naturreservate, Höhlen und besondere Tempel. Auch die Stadt Ninh Binh sehen wir uns näher an. Hier ein paar Bilder von unseren Mopedausflügen:

Chua Bai Linh

Im Van Long Nature Reserve

Sattgrüne Reisfelder und Karstkegel

Auf dem lokalen Markt

Schiffswerft

Hue

Der Bahnhof von Hue

In Ninh Binh steigen wir spätabends in einen Zug und kommen frühmorgens in Hue an. Dort verbringen wir zwei volle Tage. Wir wohnen im herrlich angestaubten Hotel Saigon Morin. In diesem 1901 eröffneten Hotel erinnert vieles an die "gute, alte" Kolonialzeit. Je nach Tageszeit wird der Teppich im Lift gewechselt, es gibt Auslegeware mit den Aufdrucken “Good morning“, “Good afternoon“ und “Good evening“. Die Zimmer sind mit blankpoliertem Tropenholz-Parkett und Marmorbädern ausgestattet. Außerdem gibt es einen “turndown service“, das heißt, die Bettdecke wird zurückgeschlagen, die Vorhänge werden zugezogen und eine Gute-Nacht-Geschichte auf das Kopfkissen gelegt. Es gibt ein Kino, in dem es alte Klassiker spielt. Wir hätten die Chance gehabt, “Der große Diktator“ mit Sir Charles Chaplin zu sehen, der war annodazumal auch einmal Gast im Morin Hotel.

Mopedfahren in Hue ist lustig!

Am ersten Tag gehen wir auf wir den Cho Dong Ba, einen der tollsten Märkte, die ich kenne. Das Angebot an frischem Obst,Gemüse und Kräutern ist überwältigend. Und die Verkäuferinnen lassen sich nicht bei der Arbeit stören. Das heißt, wenn man sich bemüht, nicht im Weg rumzustehen, hat man gute Fotomöglichkeiten. Danach besichtigen wir die alte Kaiserstadt der Nguyen-Monarchen, die dem Pekinger Vorbild nacheifert.

In der Grabanlage des Nguyen-Kaisers Khai Dinh

Am zweiten Tag haben wir einen Roller und besichtigen drei der Kaisergräber. Die Nguyen-Kaiser haben schon zu Lebzeiten ihre Gräber geplant, die palastartig ausgeführt und teilweise in große Gartenanlagen integriert sind.

Grabanlage Khai Dinh

Grabanlage Dong Kanh

Grabanlage Khai Dinh

Kaiserstadt Hue

Thien Mu Pagode, Hue

Auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad

Unser Guide Hai bei der Kaffeeezubereitung

Seit es den Tunnel unter dem Hai-Van-Pass gibt, kann man von Hue in 2 1/2 Stunden nach Hoi An gelangen. Man kann dazu aber auch zwei volle Tage brauchen, wenn man einen Umweg bis an die vietnamesisch-laotische Grenze macht.

Unterwegs haben wir viele Begegnungen und interessante Erlebnisse. Unseren Guide Hai (Kontaktdaten können gerne hinterfragt werden) kann ich uneingeschränkt empfehlen. Ich bin bereits das dritte Mal mit ihm unterwegs. Klar kann man sich auch in Hue oder Hoi An ein Motorbike schnappen, und diese Tour unbegleitet machen. Das Gepäck wird überstellt. Alles kein Problem. Aber dann ist es eine ganz normale Mopedtour mit tausend Kurven auf schlechten Straßen. Der Guide öffnet Türen, die man sonst nicht einmal bemerkt.

Die Fahrt verläuft von Hue in Richtung Westen fast bis Laos und auf dem HCM-Pfad (Straße QL14) nach Prao. Von dort geht es in östlicher Richtung nach Danang. Sobald man sich ein wenig aus Hue herausbewegt, taucht man in ein anderes Vietnam ein, eines mit Lebensrealitäten weit jenseits des für uns Vorstellbaren. Als ich von der Straße fünf Meter in die Büsche gehe, beißt mich irgendein Wurm. Später erfahren wir, dass die Frauen deshalb bei der Waldarbeit Gummistiefel tragen. Die Frauen wohlgemerkt, denn Männer arbeiten so gut wie gar nicht. Wenn ich auch nur daran denke, dass ich aus einem Militärhubschrauber in diese grüne Hölle geworfen werde, krieg ich die Krise. Aber auch für die in Friedenszeiten hier lebenden Menschen ist das Leben hart. Unser Guide Hai sammelt in Danang Kleidung und Nützliches, um es auf den Touren in Minderheitendörfern abzugeben.

Ernte

Hier wird alles gegessen, was Beine hat.

Weit weg von allem

Hoi An

Also ich glaub, mit Hoi An bin ich fertig. Ich bin seit 2009 im Abstand von drei Jahren hier, aber jetzt wird's mir zu voll und schrill. Ich hatte auch kaum Lust zu fotografieren.

Für Fahrten in die nähere Umgebung ist Hoi An allerdings immer noch ein toller Ausgangspunkt. Ein kleines Beispiel: Bei einem Ausflug in die Gegend südlich von Hoi An sehen wir das “Mural Village“ Tam Thanh (ein koreanisch-vietnamesisches Kunst- und Sozialprojekt), das über 30 Kilometer lange Tunnelsystem von Ky Anh aus dem USA-Krieg und die Chien Dan Chamtowers aus dem 12. Jahrhundert. Weder im Mural Village noch in Ky Anh gibt es Busparkplatz, Andenkenläden, Ticketschalter, Bimmelbahn, Kostümverleih, Profifotografen, Musikbeschallung, ... und in Chien Dan gibt es von alledem gerade mal den Busparkplatz, auf dem ganz verlassen unser Roller steht.

Mehr Fotos auf Flickr. Hier nur die Minimalstauswahl:

Hoi An

Drachenbrücke in Da Nang

Auf einem Fischmarkt

Cao Dai Tempel in Hoi An

Die Marmorberge

Can Tho

Blick vom West Hotel auf den Markt

Nach fünf Tagen in Hoi An fliegen wir mit VietJet von Danang nach Can Tho. Endlich Sommer! In Zentralvietnam ist es mir um diese Jahreszeit noch zu kühl, aber hier im Süden passt es. Bei tagsüber 36 Grad ist mir auch nicht kalt, wenn ich aus dem Pool steige. Das West Hotel hat übrigens einen sehr schönen Pool im 8. Stock mit Blick über den Mekong und die Stadt.

Seit meinem letzten Besuch vor drei Jahren hat sich Can Tho ordentlich entwickelt. Am nördlichen Ende der Uferpromenade gibt es neuerdings eine bunt beleuchtete Fußgeherbrücke über den Fluss. So kann man bequem zum Victoria Hotel und zum großen Kreisverkehr gelangen, wo es das gute Banh-Xeo-Restaurant (Bánh xèo Ca Mau) gibt. Wie in Vietnam üblich, haben sich in unmittelbarer Nähe auch andere Restaurants angesiedelt. 

Hauptsächlich sind wir natürlich wegen des schwimmenden Marktes von Cai Rang nach Can Tho gekommen. Ein Bootsfahrer ist am Abend schnell gefunden. Wir zahlen 50% an und am nächsten Morgen werden wir im Hotel abgeholt und zum Markt geschippert.

Auf dem Cai Rang Floating Market

Chua Ong

Drive-In-Garküche

buntes Can Tho

HCM-Denkmal

Chau Doc

Der Busbahnhof in Can Tho


Wir fahren mit dem Bus nach Chau Doc. In Vietnam geht das ganz einfach: Die Hotelrezeption organisiert die Tickets und das Busunternehmen holt einen rechtzeitig im Hotel ab und bringt einen zum Busbahnhof. Die Fahrt dauert 3 1/2 Stunden (inkl. 20 Minuten Pause zur Hälfte der Fahrstrecke) und kostet 100.000 VND p.P. Es gibt Wasser, WiFi und Klimaanlage. Der Fahrer fährt gleichmäßig und unaufgeregt. Ich kann das Busunternehmen Futa weiterhin empfehlen. Vom Busbahnhof in Chau Doc bringt uns ein Taxifahrer zur wundervollen Victoria Nui Sam Lodge, die etwas erhöht am Hang des heiligen Nui Sam liegt.

Ich war hier schon vor drei Jahren. Als wir beschlossen haben, dass es heuer nach Vietnam gehen soll, war mein erster Gedanke: Ich will wieder auf den Nui Sam. Wegen dieses Ausblicks über endlose Reisfelder bis Cambodia und wegen der Ruhe am Pool. Tagsüber ist das hier einer der friedlichsten Orte in Vietnam. Am späteren Nachmittag kommen dann auch Reisegruppen.

So ruhig es in der Nui Sam Lodge ist, so trubelig ist es im Ort, vor allem am Wochenende. Das ist ein richtiger Wallfahrtsort . Ein Tempel ist einer gewissen, mir unbekannten, Frau Xu gewidmet. Die Besucher kommen in Reisebussen um Frau Xu Opfer darzubringen. Besonders scheint sie Schweinernes zu mögen, die Top-Opfergabe ist ein Spanferkel.

Victoria Nui Sam Lodge

Sonntags im Ort am Fuße des Nui Sam

Im Höhlentempel Chua Hang

Wir machen allerdings auch ein paar sehr schöne Ausflüge in die Umgebung, z.B.

zum Tempel Thiền Viện Đông Lai, in dem Gläubigen und Besuchern richtig gute vegetarische Banh Xeo zubereitet werden,

oder zu einem anderen "heiligen Berg", dem Nui Cam, wo man mit der Seilbahn zu einem Kloster fährt, das gerade zu einer Art buddhistischem Themenpark umgebaut wird,

oder zum Vogelschutzgebiet Tra Su,

oder nach Ba Chuc, einer Gedenkstätte, die an ein Massaker der Roten Khmer erinnert.

Big Buddha am Nui Cam

Banh Xeo Küche im Tempel

Tra Su Bird Sanctuary

Ba Chuc

Ein "Spiegelkabinett" in der Chua Hang

Saigon

Beim Einsteigen in den Schlafbus war noch alles in Ordnung.

Nun zur letzten Station unserer Vietnam-Reise. Eigentlich hätten wir ja geplant, von Chau Doc nach Sa Dec zu fahren. Der Ort liegt ungefähr auf halbem Weg nach Saigon und wir hätten uns somit eine Marathon-Busstrecke erspart. Allerdings entschließt sich unser Busfahrer, nicht die Fähre in Richtung Sa Dec zu nehmen, vor der ein Mega-Sonntagsstau ist, sondern bei Can Tho die Brücke zu nehmen und direkt Saigon anzusteuern. Offenbar sind wir die einzigen, die nach Sa Dec wollten, denn niemand protestiert. Wir sind flexibel und buchen - dank WLAN im (Schlaf-)Bus - ein Zimmer im Grand Hotel Saigon, wo wir ab dem nächsten Tag sowieso wohnen werden. Nach 7 Stunden (!) Fahrt erreichen wir Saigon, wo wir nun statt zwei komfortable drei Tage zur Verfügung haben.

Saigon verändert sich rasend schnell. Immer mehr alte Häuser verschwinden, die Baustellen diverser Neubauprojekte dominieren manche Gegenden. Die Nguyen Hue wurde in eine Fußgängerzone und Flaniermeile umgewandelt, auf der Le Loi befindet sich eine riesige U-Bahn-Baustelle, selbst die Kathedrale Notre Dame ist eine Baustelle, sie wird momentan von einer gewaltigen Konstruktion gestützt.

 

U-Bahn-Baustelle am Benh Thanh Market.

Unter anderem besuchen wir die Tempel von Chinatown und den dortigen Großmarkt Binh Tay, trinken Cocktail im höchsten Gebäude Vietnams und gehen in die Oper.

Faszinierend ist, dass viele Bewohner Saigons trotz Großstadthektik eine demonstrative Gelassenheit ausstrahlen.

 

Markthändler am Binh Tay Busbahnhof

Vier Wochen Vietnam sind schnell vorbei. Ich denke, wir haben einen interessanten, vielfältigen Querschnitt gesehen. Magastädte und verschlafene Dörfer, Natur und Kultur, Berge und Meer, arm und reich. Die nächste Vietnam-Reise ist auch schon vorsichtig angedacht: Es wäre doch einmal schön, eine Reise völlig abseits der touristischen Hotspots zu verbringen. Nach der Reise ist vor der Reise.

 

Hier gibt es noch mehr Bilder von dieser Reise: KLICK